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Wohnraum-Spekulationen : Mehr Wien wagen

In der Karl-Marx-Allee in Berlin Bild: Stefan Boness/Ipon

Es ist empörend, wie mit dem Wohnraum und damit auch mit dem Wohlergehen der Bewohner spekuliert wird. Aber sind Enteignungen die Lösung – oder läuft die Debatte in die falsche Richtung?

          7 Min.

          Zu den Berufen, die auf der Liste der fürs Wohlergehen der Gesellschaft unentbehrlichen Tätigkeiten nicht so weit oben stehen, gehören der Immobilienspekulant und der Makler. Makler gelten als die Typen, die ein Haus fotografieren, einen Zettel ins Schaufenster hängen, dann die Interessenten gegeneinander ausspielen und dem Gewinner noch mal zwanzigtausend Euro Courtage abknöpfen (fieses Klischee, rufen hier die Makler, es ist ganz anders, nämlich ... tja ...). Wo es gegen Makler geht, freuen sich die Leute. In Hamburg steht im Stadtteil Eppendorf im Garten eines sehr schönen Stadthauses in der Haynstraße ein seltsames Monster, das wie eine Schutzgottheit zur Abwehr von kapitalistischem Schadenzauber mit einem großen Maul und bösen Augen über die Hecke starrt und zum Maskottchen der ganzen Gegend wurde: Ein Schild weist die Figur als den „großen Spekulantenfresser“ aus.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          In der Berliner Politik übernehmen in diesen Tagen gerade andere die Rolle des großen Spekulantenfressers – und die, die gemeint sind, machen ein Geschrei, als drohte das Ende der freien Welt. Gerade hat Justizministerin Barley angekündigt, sie wolle Maklergebühren auf die Verkäufer umlegen und nicht auch noch dem Käufer zumuten. Solche Maßnahmen bringen nichts, murrten die Makler, denn dann schlagen die Verkäufer die Courtagekosten auf den Kaufpreis. Das kann sein, aber dann ist das Haus, das der Verkäufer mit Makleraufschlag anbietet, auch zwanzigtausend Euro teurer als das gleichwertige nebenan, das ohne Makler direkt angeboten wird ... Das war also eher ein schwaches Argument, aber bevor die Diskussion richtig Fahrt aufnehmen konnte, erinnerte man sich daran, dass die größten Probleme auf dem Wohnungsmarkt nicht die Courtagen der Makler sind; es ist die Tatsache, dass es überhaupt keine Wohnungen gibt – jedenfalls keine bezahlbaren.

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