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Hannes Hintermeier (hhm)

In der Bayerischen Akademie : Es soll Austritte gegeben haben

Aufstieg für Erwählte: das Treppenhaus der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Bild: Picture-Alliance

Die Bayerische Akademie der Schönen Künste hat prominente Mitglieder verloren, weil ihr Präsident Nerdinger gegen den Staat als Kunstverhinderer wetterte. Nun ließ er sich von dem Journalisten Heribert Prantl feiern.

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          Öffentliche Jahressitzung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste unter dem Dach der Münchner Residenz. Lichte Bestuhlung, Maskenpflicht, nicht alle halten sich daran. Zuletzt aufgefallen ist die oberste Pflegestelle der Kunst des Freistaats durch eine Affäre. Nach einem Interview, das ihr Präsident, der Architekturhistoriker Winfried Nerdinger, der Süddeutschen Zeitung gab und in dem er gegen den Staat als Kunstverhinderer in Coronazeiten austeilte, verließen die Schriftsteller Friedrich Ani, Dagmar Leupold, Jonas Lüscher, Norbert Niemann, Albert Ostermaier und Georg M.Oswald, Direktor der Literaturabteilung, die Akademie. Mehr als einen Halbsatz sind die Austritte Nerdinger bei seiner Begrüßung nicht wert. Die Akademie habe Stellung bezogen und sei „darüber ins Gerede gekommen“. Festredner Heribert Prantl, in München als langjähriger SZ-Leitartikler eine Weltmacht, wird von Nerdinger als „juristisches Gewissen der Nation“ eingeführt. Der lobt zurück, der Präsident habe seine Sache gut gemacht und pointiert formuliert. „Es gab, so habe ich gelesen, Austritte.“ Ansonsten wisse er als Publizist und Jurist nichts über die Umgangsregeln innerhalb der Akademie.

          Auf die Argumente der Ausgetretenen geht Prantl nicht ein, obwohl sie mit seinem Thema „Corona und die Folgen für Grundrechte und Kultur“ durchaus zu tun haben. Stattdessen das von diesem Autor – Journalismus ist Wiederholung – häufig gelesene Bekenntnis zu den Grundrechten als Fixpunkten der Demokratie. Woran nichts verkehrt ist, zumal Prantl seine Brandrede mit Medienkritik absichert. These: Das „Damokles-Virus“ habe geschafft, was zwei Weltkriege nicht geschafft hätten. Der Präventionsstaat werde als Freund erlebt, der Bundestag habe zugelassen, dass die Grundrechte wie ein Wasserhahn benutzt würden – auf- und zudrehen, wie’s beliebt. Aber Grundrechte seien „kein Kostümverleih“, „kein Konfetti“. Und so entwirft Prantl seine Vision einer guten Demokratie, mit Demonstrationsrecht für die Unbequemen, Unzufriedenen, Aufsässigen, solange diese nicht straffällig würden. Hart ins Gericht geht Prantl mit der Auffassung des bayerischen Ministerpräsidenten, Geimpfte sollten es besser haben. Söder vertrete eine „verfassungsferne Moderne“, Grundrechte seien eben keine Privilegien. Der Ton wird feierlich, beschwörend, am Ende weihevoll, wenn der Redner auf die „Auferstehung von Nächstenliebe“ hofft. Er sagt auch Sätze wie „Kinder sind unsere Zukunft“. Ja, er winde sich, aber das sei nun einmal die Gangart durchs Dickicht: „Sie merken, dass ich es mir nicht leicht machen will.“ Nun brauche die Gesellschaft Heilung, und daran werde er, Prantl, arbeiten: „Dass die Hoffnung wieder Atem bekommt, das wünsche ich uns.“ Nerdinger dankt dem Festredner für die „unendliche Vielzahl von Anstößen“, er habe geboten, was Adorno das „helle Bewusstsein“ genannt habe. Einer Aufnahme Heribert Prantls in die Akademie steht nichts mehr im Weg.

          Hannes Hintermeier
          Feuilleton-Korrespondent für Bayern und Österreich.

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