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Impfung von Jugendlichen : Ein törichtes Manöver

Die Ständige Impfkommission wehrt sich gegen den Druck der Politik Bild: dpa

Die Politik will nun auch Jugendliche impfen. Doch die STIKO ziert sich noch mit einer Empfehlung – zurecht, wenn sie ihre Autorität nicht leichtfertig aufs Spiel setzen möchte.

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          Eine Geduldsprobe ist die Pandemie von Anfang an gewesen, vieles ist weiter ungewiss. Doch die harte Nuss, die die Gesundheitsminister nun mit der Ständigen Impfkommission (STIKO) in puncto Jugend-Impfung zu knacken versucht, gehört gewiss zu den eher unglücklichen Manövern, sich der Unsicherheiten der Pandemiebekämpfung zu entledigen. Die Gesundheitsminister wollen unbedingt ihre Impfprogramme ausweiten und damit die Impfung möglichst aller über Zwölfjährigen forcieren, die STIKO hält sich dagegen weiter zurück – mangels wissenschaftlicher Evidenz. Die Politik nutzt also ihre Entscheidungsmacht und erhöht den Druck, die unabhängigen Experten lassen sich ihrerseits mit neuen Empfehlungen nicht vor sich hertreiben. Ein legitimes, für die Menschen aber unerträgliches Verwirrspiel.

          Das Ganze ist kein Machtkampf, wie mancher jetzt wähnt. Die Experten verfügen weder über ein Mandat noch über politische Befugnisse. Sie tauschen auch keine Meinungen oder Überzeugungen aus, worauf der STIKO-Vorsitzende Thomas Mertens berechtigterweise oft hinweist. Die STIKO vertritt auch keine Interessen, außer diejenigen, über deren Schicksal sie mit ihrer Empfehlung mit entscheidet. Sie ist also, ähnlich wie der Weltklimarat, eine wissenschaftliche Clearingstelle, ein leidenschaftsloses Fachgremium, das die Pros und Kon­tras aufgrund jeweils aktueller, geprüfter und veröffentlichter Daten gegeneinander abzuwägen hat. Entscheidend ist dabei die Qualität der Studien, ihre Relevanz. Zweifelsohne ist genau diese wissenschaftliche Rigorosität der Grund für das Zögern der STIKO. Und die möchte man auch nicht durch Druck aufs Spiel gesetzt sehen. Verständlich, denn Evidenz ist am Ende das Kapital, auf dem ihre gesamte Autorität in Impffragen beruht.

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