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„Idomeneo“ : Opern-Absetzung: Kritik an Berlins Innensenator

  • Aktualisiert am

Intendantin Harms: Dramatisches Telefonat Bild: AP

Nach der umstrittenen Absetzung der Mozart-Oper „Idomeneo“ aus Furcht vor islamistischer Gewalt gerät nun auch der Berliner Innensenator Ehrhart Körting in die Kritik: Die Intendantin der Deutschen Oper fühlt sich von ihm „alleingelassen“. Über eine Wiederaufnahme von „Idomeneo“ wird nachgedacht.

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          Die Deutsche Oper Berlin fühlt sich von der Polizei „alleingelassen“. Bei der Absetzung der Mozart-Oper „Idomeneo“ aus Angst vor islamistischen Anfeindungen habe Intendantin Kirsten Harms von den Berliner Sicherheitsbehörden keinerlei Hilfestellung bekommen, sagte Opernsprecher Alexander Busche am Mittwoch.

          Er schloß eine baldige Wiederaufnahme der Inszenierung des Regisseurs Hans Neuenfels nicht aus. „Wenn wir die entsprechenden Sicherheitsgarantien bekommen, dann wollen wir ernsthaft überlegen, ob wir die Inszenierung wieder aufnehmen“, sagte er. Trotz einer Gefährdungsanalyse sei das Opernhaus und die Intendantin von den Sicherheitsbehörden „alleingelassen“ worden. Sie sei keine Sicherheitsexpertin und könne daher auch nicht die wahre Bedrohung ermessen.

          Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt warf dem Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Mittwoch vor, die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, nicht ausreichend beraten zu haben. Harms hatte die Inszenierung nach Hinweisen der Polizei vom Spielplan genommen, daß eine Aufführung der Oper ein nicht zu kalkulierendes Risiko für Schauspieler und Besucher bergen könne. Körting hat am Mittwoch eingeräumt, daß es keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung der Deutschen Oper gegeben habe. Allerdings sei das LKA in einer Analyse zum Ergebnis gekommen, daß eine Gefahrensituation eintreten könnte, sagte der Senator am Mittwoch von Journalisten in Berlin.

          Schlechter Berater? Ehrhart Körting

          In der Inszenierung präsentiert der kretische König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe Poseidons, Jesus', Buddhas und des muslimischen Religionsstifters Mohammed. Die bildhafte Darstellung Mohammends gilt im Islam als Gotteslästerung. Karikierende Mohammed-Darstellungen hatten im vergangenen Jahr zu massiver anti-westlicher Gewalt in zahlreichen islamisch geprägten Ländern geführt.

          „Mit Halbwissen alleingelassen“

          Die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt sagte im Rundfunk Berlin-Brandenburg weiter, Körting habe der Intendantin die Entscheidung über die Absetzung ganz allein überlassen und nicht gemeinsam mit ihr die Lageeinschätzung des Landeskriminalamts besprochen, die die Grundlage für die Entscheidung war. Es sei auch Aufgabe der Innenbehörde zu sagen, wie die Sicherheit der Oper zu gewährleisten wäre. Auch die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, kritisierte, die Intendantin sei mit Halbwissen alleingelassen worden. Die Debatte werde zu sehr auf Harms fokussiert, sagte Limbach im NDR. „Ich muß mich fragen, wie steht es eigentlich um die Gefahrenanalyse des LKA, haben sie der Intendantin auch deutlich gemacht, daß entsprechende Schutzvorkehrungen vorgenommen werden würden, sollte sich die Gefahr eines Tages als begründet erweisen“, sagte die Präsidentin des Goethe-Instituts. Zugleich warf sie allerdings Harms vor, einen Akt der „Selbstzensur“ begangen zu haben.

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