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Ideologisierung des Christentums : Was muss der Christ glauben?

Papst Benedikt XVI. am Gründonnerstag auf dem Kreuzweg Bild: AFP

Wider die Ideologisierung des Christentums: Es fehlt an Klarheit, wo vom Glauben her der Zweifel seinen Platz hat - und wo gerade nicht.

          Freiheit oder Kirchenbann für Niki Lauda? Der ehemalige Rennfahrer, der erst im Vorjahr wieder in die Kirche eingetreten ist, leugnet einen Teil des Credos, glaubt nicht an ein Leben nach dem Tode. So hält es zu Ostern die österreichische Zeitschrift „news“ fest, der Niki Laura erklärt hatte: „Wenn ich tot bin, bin ich tot. Dann ist alles aus.“ Eine weitverzweigte Leserdebatte entspinnt sich nun über die Kartage, bei „kath.net“ als „hot diskussion“ gehandelt. „Welcher Pfarrer hat das Wiederaufnahmegespräch geführt?“, will eine Leserin wissen. „Erfolgte denn keine Erwachsenenkatechese, oder ging es doch nur ums Geld und um Ruhm?“ Ein anderer Leser: „Das Kirchensteuersystem in den deutschsprachigen Ländern züchtet solche Alibi-Christen heran. Herr Lauda ist kein Christ, egal, welcher Konfession.“ Und eine dritte Stimme meint: „Wer mal so nah dran am Tod war wie Herr Lauda, braucht sich von keinem Pfarrer Nachhilfe in den letzten Dingen geben zu lassen.“

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Grundsätzlicher, aber nicht weniger leidenschaftlich geht Klaus Harprecht das Problem der Alibi-Christen in der „Zeit“ an. Er fragt: „Stellen sich die Kirchenoberen die Frage, wie sie’s mit den Christen halten, für die des Heilands Auferstehung keine Wahrheit mehr ist? Wagt es einer der Glaubenshüter, ihnen das Christsein abzusprechen? Aus dem Vatikan kommt dazu seit Menschengedenken kein Wort. Keines der Verdammnis, keines der Toleranz. Die Päpste, die Kardinäle, die Bischöfe führen sich auf, als gäbe es dieses dramatische Problem nicht: dass die Majorität der europäischen Christen die Grundsubstanz des Glaubens leugnet.“

          Eine bedenkliche Unredlichkeit

          Dass der Vatikan nicht alle Katholiken aus der Kirche wirft, die im privaten oder öffentlichen Gespräch ihre Glaubenszweifel artikulieren, ist eine richtige Beobachtung. Dass es früher Scheiterhaufen gab, wäre eine andere richtige Beobachtung gewesen, um zu beurteilen, wie „seit Menschengedenken“ das Credo gesichert wurde. Und selbstverständlich gibt es auch heute das Institut der Exkommunikation, die freilich kein Kirchenausschluss ist (was, ist jemand getauft, kirchenrechtlich unmöglich wäre), sondern in genau geregelten Fällen der zeitlich begrenzte oder permanente Verlust der Kirchengemeinschaft und damit bestimmter Rechte in der Kirche. Das ist insoweit überall leicht nachzulesen. Ob tatsächlich „die Majorität der europäischen Christen die Grundsubstanz des Glaubens leugnet“, ist hingegen eine offene Frage. Entsprechende Fragebögen sind europaweit bislang noch nicht zum Einsatz gekommen.

          Dass der Abfragbarkeit des Glaubens Grenzen gesetzt sind, hat freilich auch handfeste glaubensinterne Gründe. Welche? Auf der einen Seite gilt das Bekenntnis, wie es sich im Credo ausdrückt, das der theologischen Deutung vorgegeben ist. Joseph Ratzinger hat dazu in seinem ersten großen Bucherfolg, der 1968 erschienenen und seitdem immer wieder aufgelegten „Einführung in das Christentum“ vermerkt: „Wenn etwa irgendwo ein Theologe erklärt, ,Auferstehung der Toten’ bedeute nur, dass man täglich unverdrossen von neuem ans Werk der Zukunft zu gehen habe, so ist der Anstoß sicherlich beseitigt. Aber sind wir eigentlich ehrlich geblieben dabei? Liegt nicht doch eine bedenkliche Unredlichkeit darin, wenn Christentum mit solchen Interpretationskünsten als heute noch vertretbar aufrechterhalten wird?“

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