https://www.faz.net/-gqz-9tnjd

Marina Weisband im Gespräch : Ich war abgeschrieben

Marina Weisband im November 2019 Bild: mch

Marina Weisband war der Star der Piratenpartei, dann verschwand sie aus der Öffentlichkeit. Jetzt ist sie zurück. Ein Gespräch über Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und das Leben unter den Deutschen.

          9 Min.

          Marina Weisband war eine gute Diktatorin. Das sagt sie selbst, nachdem sie alles andere gesagt hat. Weisband kam mit sechs Jahren aus Kiew nach Deutschland. Mit Mitte zwanzig war sie dann das Gesicht einer Bewegung und Partei, zumindest das bekannteste in Deutschland. Sie war Geschäftsführerin der Piraten. Man sah sie jede Woche in Zeitungen, in Magazinen, in guten und in schlechten Talkshows. Dann wollte sie nicht mehr. 2012 verließ Weisband die Politik. Weil sie studieren wollte. Hat sie dann: Psychologie in Münster. Jetzt ist sie wieder da.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Jetzt ist sie eine Grüne. Macht nicht nur Politik. Auch Bildung. Sie leitet „Aula“, ein Schulprojekt, das Kindern beibringt, was sie als Demokraten tragen: Verantwortung. Weisband spricht ständig von Verantwortung, auch als sie von der guten Diktatorenzeit erzählt. Das war vor Monaten, ein Live-Rollenspiel, ihr Hobby. In einem Bunker trafen sich 200 Spieler und spielten 72 Stunden lang die Menschheit, die nach einem atomaren Unfall übrig geblieben ist; 500 Jahre ist er her. Die Nachgeborenen leben noch immer in dem Bunker, und da herrscht eine Art stalinistisches System, herrscht Diktatorin Weisband. Aber warum spielt sie so etwas? „Weil es geil ist. Weil man auf diese Weise Demokratie versteht. Wir leben in einer Zeit, in der die Demokratie daran krankt, dass sie als Selbstverständlichkeit gehandhabt wird.“ Danach erzählt sie stolz, dass alle auch am letzten Tag systemtreue Lieder sangen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+