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IAA 2013 : Das Fahrzeug, das aus dem Smartphone kam

In der Halle von Tesla Motors im niederländischen Tilburg Bild: dpa

Am Donnerstag öffnet die Internationale Autoausstellung in Frankfurt für alle Besucher. Die Branche erlebt zurzeit einen Wandel. Doch was bedeutet es, wenn jetzt IT-Unternehmer die besten Autos der Welt bauen?

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          Amerikanische Fahrzeuge waren bis vor kurzem etwas, worüber man in den Entwicklungsetagen deutscher Automobilhersteller herzlich lachte. Was in Detroit zusammengeschraubt wurde, waren für sie so etwas wie Dinosauriermodelle, die man auf Rollschuhe gestellt hatte: hoffnungslos veraltet, hässlich, von jeder Kurve überfordert, wenn nicht vorher schon der Tank leergegurgelt war. Sie galten überhaupt nicht mehr als Automobile, sie waren etwas anderes, ein rohstoffvernichtendes Problem, metallische Metaphern einer marode wankenden Weltmacht, große, schwere, schlechte Witze aus Blech und grobporigem Plastik - und wenn vor zehn Jahren in Ingolstadt oder Sindelfingen einer aufgetaucht wäre und gerufen hätte, im Jahr 2013 werden die Amerikaner das beste, innovativste Auto der Welt bauen, dann hätten sich die Strategen dort vermutlich auf die Motorhauben ihrer Limousinen gerollt und mit den Füßen in der Luft gewackelt vor Lachen: Das beste Auto der Welt aus Amerika, genau; und vielleicht besiedeln die Amerikaner dann auch gleich den Mars? Und lassen sich durch Röhren in einer halben Stunde von Los Angeles nach San Francisco schießen?

          Der Unternehmer Elon Musk verdient sein Geld ursprünglich als Internetdienstanbieter und ist mittlerweile ebenso erfolgreich mit seinem Elektroautomobilkonzern Tesla.
          Der Unternehmer Elon Musk verdient sein Geld ursprünglich als Internetdienstanbieter und ist mittlerweile ebenso erfolgreich mit seinem Elektroautomobilkonzern Tesla. : Bild: AP
          Niklas Maak
          Redakteur im Feuilleton.

          Dann kam Elon Musk, ein 1971 geborener Internet-Unternehmer, der mit dem Verkauf des Online-Bezahlsystems Paypal eine Milliardensumme verdient hatte. Er gründete in Palo Alto die auf den Bau von Elektrofahrzeugen spezialisierte Automobilfirma Tesla, er gründete die Firma Space X, deren Ziel eine Marsmission ist, vor einem Monat stellte er sein Hyperloop-System vor: In einer Doppelröhre sollen Menschen in abgeschlossenen Kapseln auf über tausend Stundenkilometer beschleunigt werden.

          Schizophrene Nachfrage auf amerikanischen Markt

          Nun gab es schon viele reiche Exzentriker, die sich die irrsten Dinge ausgedacht haben, aber schon beim ersten Tesla-Auto wich das entspannte Lächeln der Konkurrenz sehr schnell einem erstaunten Kopfkratzen: Die Energiequelle des Tesla besteht aus 6831 Lithium-Ionen-Akkus, wie man sie für Laptops kaufen kann, das Ergebnis war ein Sportwagen, der erstens nahezu emissionsfrei und zweitens schneller als ein Ferrari beschleunigte und gleich einmal das Vorurteil widerlegte, Elektroautos seien per se rollende Büßerhemden; dafür, dass der Strom für die Öko-Sportwagen nicht aus fossilen Quellen stammt und damit die Schadstoffproduktion nur vom Motor ins Kraftwerk verschoben wird, soll Musks Firma Solarcity sorgen. Daimler Benz, einst selbst führend im Motorenbau, begann Motoren bei Tesla einzukaufen.

          Jetzt bringt Tesla auch in Deutschland eine Familienlimousine auf den Markt, das Model S, das nicht teurer als ein besserer Audi A6 ist und knapp fünfhundert Kilometer weit mit einer Stromladung kommt - deutlich weiter als das deutsche Elektroauto BMW i3, das mit hohem Lobby- und PR-Aufwand als automobile Revolution angepriesen wird, aber leider so verhauen aussieht, als hätte der Chefdesigner die Teile eines Tierpuzzles falsch zusammengesetzt und auf diese Weise ein Phantasiewesen zustande gebracht, das den Bauch über dem Kopf und die Ohren am Hintern trägt. Der Tesla dagegen ist laut Presseerklärung inzwischen nach dem Cadillac die beliebteste Luxuslimousine in seiner Heimat - deutlich vor der S-Klasse von Mercedes; der Aktienkurs explodierte von 38 Dollar auf zuletzt 147 Dollar; mit über zwanzig Milliarden Dollar ist das junge kalifornische Unternehmen schon heute fünfmal so viel wert wie Peugeot und Citroën, die einst ruhmreiche Marke, die 1955 mit dem damals futuristischen Modell DS ein Auto baute, das dank Hydropneumatik über der Straße zu schweben schien und sämtliche extraterrestrischen Zukunftsträume seiner Epoche in einer Form bündelte.

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