https://www.faz.net/-gqz-9j2kh

Umstrittene Broschüre : Die Kita als politischer Toberaum

Kinder spielen in einer Kita in Osnabrück Bild: dpa

Hysterische Erziehung: Eine Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung weist Erzieher auf Alarmsignale für eine „völkische Erziehung“ bei Kindern hin. Die Empörung ist groß.

          3 Min.

          Von „Gleichschaltung“ war in den vergangenen Wochen die Rede, von „Kita-Stasi“, „Dressur“ und „linksutopistischer Indoktrination der Kleinsten“. Eine Broschüre für Kindertagesstätten hatte für Verstörung gesorgt. Unter dem Titel „Ene, mene, muh – und raus bist du!“ verhandelt sie „Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ und war alsbald als „Schnüffel-Fibel“ verschrien. Herausgegeben von der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) und gefördert vom Bundesfamilienministerium, erklärt Franziska Giffey (SPD) im Vorwort, mit dem Zuzug von geflüchteten Menschen sei „vorurteilsbewusste Bildung für die Jüngsten der Gesellschaft“ nötiger denn je.

          Hannah Bethke
          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Doch das vermochte nur die wenigsten Kritiker zu überzeugen. Besonderen Anstoß nahmen sie an einem der Fallbeispiele für politisch fragwürdige Erziehung. Hinweise auf ein „völkisches Elternhaus“ könnten demnach „traditionelle Geschlechterrollen“ sein: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe“, „der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt“. Kitas sollten nach Ansicht der Stiftung auf solche Stereotypen reagieren, indem „zum Beispiel Toberäume nicht nur für Jungen und Kuschelecken nicht nur für Mädchen gedacht werden“. Dass dieses äußerst unglücklich gewählte Beispiel die Gemüter erhitzte, überrascht nicht. Aus dem Blick geriet dabei, dass damit kein fester Kriterienkatalog geliefert, sondern nur eine Szene entwickelt werden sollte, die den Erziehern Wege der Präventionsarbeit aufzeigen soll. Doch kaum war die Broschüre publiziert, war es schon zu spät.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          VW Arteon 2.0 TDI SB : Passat für sonntags

          Der VW Arteon ist so etwas wie ein Passat Plus. Er ist vor allem das schickere Auto bei nahezu gleichem Raumangebot.
          Ramponierte Technikliebe: Schon 2019 sorge aus ausgebrannter Tesla in Hangzhou für Aufsehen.

          Teslas China-Schock : Brennende Autos, tote Polizisten

          Chinesen lieben die Elektroautos aus Amerika. Doch auf einmal brennen Teslas in Unfallvideos und töten Polizisten. Kurz darauf macht der Hersteller ein schmerzhaftes Zugeständnis – alles nur Zufall?