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Hype um Buddhismus : Ist das noch Religion oder nur Geschäft?

Unruhige Gemüter finden Ruhe bei einer Klangschalenmeditation. Bild: Picture-Alliance

Die Achtsamkeitswelle ebbt in der westlichen Welt nicht ab, im Gegenteil – sie ist längst zu einem Milliardenmarkt geworden. Was ist von ihren buddhistischen Ursprüngen noch übrig?

          5 Min.

          Ist die Achtsamkeitswelle in der westlichen Welt eine neoliberale Verschwörung? Das Krankenversicherungsunternehmen Aetna schätzt, dass der Produktivitätszuwachs jedes Mitarbeiters, der an den von der Firma ausgerichteten Achtsamkeitskursen teilgenommen hat, sich auf 3000 Dollar jährlich beläuft. Doch nicht nur der Gebrauch durch Firmen wie Google oder Goldman Sachs bringt die ursprünglich aus dem Buddhismus stammende Meditationsform in Verdacht; auch der ihr zugeschriebene privatistisch-eskapistische Grundzug hat Kritiker wie Slavoj Žižek schon vor Jahren dazu veranlasst, sie als „vorherrschende Ideologie des globalen Kapitalismus“ zu bezeichnen: Sie mache es möglich, „vollständig an der kapitalistischen Dynamik teilzuhaben und gleichzeitig den Anschein geistiger Gesundheit zu erwecken“.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Nun ist in Amerika und Großbritannien eine Fundamentalkritik an der Achtsamkeitswelle erschienen, die nicht von außen, sondern von innen kommt: Ihr Urheber ist kein professioneller Kulturkritiker, sondern zen-buddhistischer Mönch und zugleich Professor für Management-Theorie an der San Francisco State University. „McMindfulness. How Mindfulness Became the New Capitalist Spirituality“ heißt das Buch von Ronald E. Purser, das gerade im Londoner Verlag Repeater Books herausgekommen ist. Bisherige Kritiker konzentrierten sich vor allem auf die zum Teil dubiosen Profiteure der einschmeichelnden Vieldeutigkeit des Etiketts, ob in Wellness-Zeitschriften und Selbsthilfebüchern oder in den allgegenwärtigen Aufforderungen zu immer mehr Achtsamkeit. Der Markt einschlägiger Kurse, Bücher, Zeitschriften, CDs, Websites und Apps wurde 2017 allein in den Vereinigten Staaten auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt, und die Marktforschungsfirma Marketdata Enterprise rechnet mit einer jährlichen Steigerungsrate von 11,4 Prozent.

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