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Urteil zu den Hohenzollern : Wollen sie wirklich keine Mitsprache?

  • -Aktualisiert am

Hier haben die Preußen geblüht: Blick auf einen Seitentrakt von Schloss Cecilienhof. Bild: Andreas Kilb

Das Berliner Landgericht verbietet einem Potsdamer Historiker die Behauptung, die Hohenzollern beanspruchten ein Mitspracherecht bei der historischen Darstellung ihrer Familie. Aber was beanspruchen sie dann?

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          Der Geschichtswissenschaftler Winfried Süß hat einen Prozess verloren. Süß, der am Potsdamer Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung arbeitet, hatte in einem Radiointerview gesagt, Georg Friedrich von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern, habe von der Bundesregierung „ein Mitspracherecht bei der historischen Darstellung der Familie“ in öffentlichen Einrichtungen gefordert. Diese Behauptung hat ihm die Pressekammer des Berliner Landgerichts im Widerspruchsverfahren gegen eine zuvor ergangene einstweilige Verfügung jetzt erneut untersagt.

          Zur Begründung erklärte der Vorsitzende Richter Holger Thiel laut „Tagesspiegel“, aus der Forderung nach institutionellen Mitwirkungsrechten für Dauerleihgaben lasse sich kein Anspruch auf Mitsprache bei der Darstellung von Geschichte ableiten. Die Frage ist, was sich aus einer derartigen Forderung denn sonst ableiten lässt.

          „Zu keinem Zeitpunkt Einfluss verfolgt“

          In ihrem Forderungskatalog an den Bund haben die Hohenzollern ja nicht nur „angemessene institutionalisierte Mitwirkung“, sondern auch „Mitsprache und Einbringung eigener Vorstellungen“ bei Publikationen und Ausstellungen mit ihren Leihgaben verlangt. In einer Erklärung vom Juli 2019, als die bislang letzte Verhandlungsrunde stattfand, hat die Familie zwar angegeben, sie habe „zu keinem Zeitpunkt einen kuratorischen oder inhaltlichen Einfluss auf die Präsentation von Sammlungen oder Ausstellungen in öffentlichen Museen verfolgt“. Aber die Formulierung des Satzes verlegt die Gültigkeit dieser Feststellung in die Vergangenheit, über etwaige zukünftige Einflussnahmen wird darin nichts gesagt.

          Angenommen, der Bund räumte den Hohenzollern tatsächlich „institutionalisierte Mitwirkung“ ein, etwa in der Form, wie sie die Adelsfamilie Wettin in der Weimarer Klassikstiftung genießt, und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten würde Dauerleihgaben der Familie in eine Ausstellung über die Rolle der Hohenzollern beim Aufstieg des Nationalsozialismus schicken wollen – wie könnte die „Einbringung eigener Vorstellungen“ durch einen Hohenzollern-Vertreter im Stiftungsrat dann also aussehen? Georg Friedrich ist bei dem Thema Partei: Anders als die große Mehrzahl der deutschen Historiker glaubt er nicht, dass sein Vorfahr Wilhelm von Preußen den Nazis erheblichen Vorschub geleistet hat.

          Die Justiz gibt keine Antworten

          Die „eigene Vorstellung“ könnte dementsprechend in dem Ansinnen bestehen, seinen Standpunkt in der Ausstellung abzubilden. Wenn man diesen selbstverständlich rein hypothetischen Vorgang in einen angemessenen Begriff fassen wollte – wie würde dieser Begriff dann lauten? Wahrnehmung aristokratischer Grundrechte? Freie Meinungsäußerung von privaten Leihgebern? Oder doch versuchte Einflussnahme auf die Geschichtsdarstellung in öffentlichen Einrichtungen? Der Vorsitzende Richter Thiel hat sich entschieden, dieser Frage auszuweichen. Die Justiz kann sie letztlich nicht beantworten. Die Politik muss es tun.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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