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Bundesmittel im Gedenkjahr ’20 : Kein Geld für Hölderlin

  • -Aktualisiert am

Feiert im nächsten Jahr seinen 250. Geburtstag: Beethoven-Statue auf dem Münsterplatz in Bonn. Bild: dpa

Weltliteratur, Weltphilosophie und Weltmusik – mehr Anlass zu kulturellem Eingedenken als im 250. Geburtsjahr von Hölderlin, Hegel und Beethoven geht kaum. Doch der Bund verteilt seine Zuwendung höchst ungleich.

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          Im kommenden Jahr stehen die 250. Geburtstage Friedrich Hölderlins, Georg Wilhelm Friedrich Hegels und Ludwig van Beethovens an, ferner der 100. Geburtstag Paul Celans und sein 50. Todestag. Weltliteratur, Weltphilosophie und Weltmusik – mehr Anlass zu kulturellem Eingedenken geht kaum. Und mehr Gelegenheit zu prüfen, was es mit dem Anspruch einer Kulturnation auf sich hat, auch nicht. Das beginnt beim Einzelnen, reicht über die Kommunen und die Länder bis hin zum Bund. Man kann dabei viel richtig machen, aber auch viel falsch. Und keineswegs ist es so, dass einzig die Gegenwart die Kriterien festlegt, die ein solches Urteil erlauben. Alle, die hier engagiert sind, haben sich auch – gegen die Verwaltungslaufrichtung – dem Anspruch der zu Ehrenden und ihrer Werke zu stellen und die Frage zu beantworten, ob und wie sie ihnen gerecht werden.

          Es scheint, als hätte man bezüglich Beethovens bis dato alles richtig gemacht. Eine GmbH mit einem Kapital von 30 Millionen Euro ist gegründet worden. In deren Grundstock haben anteilig je nach ökonomischer Potenz die Stadt Bonn, das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund eingezahlt. Damit kann man eine Menge Initiativen ergreifen, auch solche anderer unterstützen, und es ist nur zu begrüßen, dass diese Kooperation gelungen ist. Allerdings hat es Beethoven als Marke auch leichter als Hölderlin oder Hegel, von Celan ganz zu schweigen. Deren Hinterlassenschaften gehören zu den intellektuell anspruchsvollsten der literarischen Überlieferung. Die Beschäftigung mit ihnen ist entsagungsvoll und verlangt alle Aufmerksamkeit. Beethovens Werke dagegen sind Selbstläufer des Konzertbetriebs. Sie werden überall auf der Welt gespielt, sind populär bis hin zur Europahymne, und ein Staat als Ganzes wäre töricht, wenn er die Gelegenheit, eine solch wirkungsmächtige Spur seiner kulturell lebendigen Geschichte der Weltöffentlichkeit zu demonstrieren, verstreichen ließe. Dem folgt aktuelle deutsche Politik.

          Anders sieht es aus, wenn man darauf schaut, wie Hölderlin, Hegel und Celan im Jubiläumsjahr bedacht werden. Zu Hegel und Celan fällt, außerhalb Stuttgarts und Marbachs, wenigen wenig ein. Bei Hölderlin dagegen gibt es viele Initiativen. Kommunen wie Lauffen, Nürtingen, Tübingen, Heidelberg, Marbach mit seinem unermüdlichen Kurator Thomas Schmidt und andere sind früh schon lokal aktiv geworden, und auch das Land Baden-Württemberg hat sich klar zu seiner Verantwortung bekannt. Hier wird vor Ort auch eine Menge geschehen – trotz des Schwierigkeitsgrades der zu vermittelnden Texte und trotz der diffusen Stellung des Bundes zu seinen vielgerühmten Dichtern und Denkern. Aus unerklärlichen Gründen nämlich ist das Staatsministerium für Kultur und Medien seit einiger Zeit aus dem Zusammenhang eines konzertierten Förderkonzepts abgetaucht.

          Wie steht der Bund zu Jubiläen?

          Im November vergangenen Jahres noch fand ein enthusiasmiertes Hölderlin-Treffen aller potentiellen Aktivisten in Marbach statt, an dem auch ein hochrangiger Vertreter des Bundesministeriums – bedauerlicherweise jedoch nicht Staatsministerin Grütters selbst – teilnahm. Das Wohlwollen der Bonn-Berliner Behörde war damals deutlich erkennbar, und auch die Bereitschaft, finanziell zu helfen, wurde signalisiert. Von beidem scheint nun nicht mehr viel übrig zu sein. Ob dafür interne Prioritätsänderungen, der Personalwechsel in der Literaturabteilung, Stimmungsschwankungen oder vielleicht auch einfach nur das Wetter in Bonn oder Berlin der Grund sind – die Betroffenen in den Ländern und Städten rätseln.

          Das rührt an zwei problematische Punkte, die die Politik des Bundes nun schon seit geraumer Zeit in ihrem Umgang mit der Literatur kennzeichnet: die nahezu vollständige Intransparenz, was Entscheidungsprozesse gerade über Prioritäten anlangt, und, schwerwiegender noch, das eklatante Fehlen von dem, was man eine mittel- und langfristige Strategie im Bereich der Literaturpflege und -förderung nennen könnte.

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