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Nancy Fraser in Frankfurt : Hipster, hört die Signale!

Professorin Nancy Fraser zählt zu den bekanntesten Feministinnen. Bild: Sueddeutsche Zeitung Photo

Die Linke ist heute tief gespalten zwischen Identitätspolitik und Verteilungsgerechtigkeit. Nancy Fraser zeigt an der Universität Frankfurt, warum auch Feministen und Antirassisten ein Interesse an der sozialen Frage haben sollten.

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          Den sozialen Bewegungen vom Feminismus bis zum Antirassismus ist heute eines gemeinsam: Für sich genommen, sind sie machtlos in den globalen politischen und ökonomischen Kämpfen, und zusammen können sie nicht mehr. Spätestens seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus hat in der Linken die Anerkennungspolitik die Oberhand gewonnen. Die vorher alles beherrschende Kapitalismuskritik trat in den Hintergrund und fristet heute ein Schattendasein. Die identitätspolitischen Kämpfe um symbolische Anerkennung zersplittern den sozialen Protest und lassen sich von der Unternehmenswelt mühelos absorbieren. So versanden die Emanzipationsbewegungen im endlosen Kampf um den maximalen Opferstatus. Kapitalismuskritik läuft als Phrase nebenher.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Wie kaum eine andere hat die Philosophin Nancy Fraser versucht, die Linke aus dieser selbstreferenziellen Schleife zu befreien und ihr wieder einen Sinn für die soziale Wirklichkeit zu geben. Ihr Vortrag an der Frankfurter Universität, mit der sie die Nähe zur Kritischen Theorie verbindet, verspricht die sozialen Bewegungen unter dem Dach einer gemeinsamen Idee zu vereinen. Damit trifft sie in der Studentenschaft einen Nerv. Der Hörsaal ist brechend voll, das Publikum jung. Aufbruchstimmung liegt in der Luft.

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