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Herausforderung für die Kirche : Raus aus der Selbstfixierung

  • -Aktualisiert am

Heilsbringer: Wie kann die Kirche auf die Herausforderungen der Gegenwart reagieren? Bild: dpa

Statt vordergründig Systemrelevanz zu erheischen, könnten die Kirchen mit einem renovierten Konzept der Erbsünde auf aktuelle Herausforderungen antworten. Ein Gastbeitrag.

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          In der öffentlichen Präsenz der katholischen Kirche muss man den Eindruck gewinnen, als hätte diese keine andere Botschaft als sich selbst. Mit dieser Feststellung soll nicht die kirchliche Aufgabe diskreditiert werden, sich um eine glaubwürdige Gestalt zu bemühen, die ihren Verkündigungsauftrag nicht verdunkelt. Aber die Fixierung auf sich selbst erzeugt den Eindruck, als hätte sie gar keine von ihr unterschiedene Botschaft mehr, die sie noch verdunkeln könnte. Allenfalls kann man beim sonntäglichen Gottesdienstbesuch mitunter den Eindruck gewinnen, als sei die Kirche bemüht, angesichts aktueller Themen wie Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit und Diversität möglichst vorne dabei zu sein.

          Damit soll die Bedeutung dieser Themen nicht in Abrede gestellt werden. Aber die hier oftmals suggestiv geforderte Positionierung des Gottesdienstbesuchers bedarf keiner religiösen Begründung, und es wäre eine interessante religionssoziologische Aufgabe zu erforschen, inwieweit die öffentliche Abwendung von der Kirche nicht nur in der oft beklagten Unzeitgemäßheit ihrer Moral, sondern umgekehrt in deren Zeitgemäßheit begründet liegt. Was würde Kurt Tucholsky heute zu einer Kirche sagen, über die er schon vor fast hundert Jahren gespottet hat, sie laufe mit hechelnder Zunge hinter dem Zeitgeist her und keuche nur noch „Wir auch, wir auch“?

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