https://www.faz.net/-gqz-v9wm

Heinos Gebührenvorschlag : Heinoon oder Die Ein-Euro-Frage

  • Aktualisiert am

Sparen Sie den Heino-Euro: Was fehlt uns im Programm? Bild: AP

Heino will, weil das Fernsehen weniger Volksmusik zeigt, einen Euro der Rundfunkgebühr einbehalten. Wir greifen seine Idee auf: Wofür könnte man dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk etwas von den Gebühren abziehen? Diskutieren Sie mit!

          Das hat Charme: Heino, der große Volksmusiker, hat - nicht ganz im Ernst - gesagt, er wolle, da das ZDF die „Lustigen Musikanten“ einstellt, künftig einen Euro der Rundfunkgebühr einbehalten. Dabei baut das ZDF sein gesamtes Programm um und trimmt es auf jugendlich. Folgten alle Heinos Beispiel, fehlten ARD und ZDF von 7,3 Milliarden Euro bald mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr. „Rechtsbruch“ sei das, hieß es im Sender. Aber gäbe es nicht so manch guten Grund, zivilen Gebührenungehorsam zu leisten? Wir finden gleich mehrere. (F.A.Z.)

          Was passt Ihnen nicht am Programm der Öffentlich-Rechtlichen? Wofür würden Sie den Sendern einen Euro vorenthalten - oder auch mehr? Nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Artikels.

          Sport: Alle Moderatoren reden wie Kerner

          Es gibt einen einzigen Fernsehtermin im Jahr, den ich mir nicht nehmen lasse, und morgen ist es wieder so weit: die erste „Sportschau“ in der neuen Bundesligasaison. Denn man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Seit die ARD vor vier Jahren wieder die Fernsehrechte am deutschen Erstligafußball erwarb, hat mich die früher heißgeliebte Sendung erst enttäuscht, dann entsetzt, zuletzt entmutigt. Der reine Anteil des tagesaktuellen Sports an der Übertragungszeit der „Sportschau“ vom 12. August 2006 - der letzten Sendung, die ich gesehen habe - lag bei weniger als fünfzig Prozent, stattdessen gab es Statistiken, Gespräche, Preisausschreiben - von Werbung im gebührenfinanzierten Fernsehen gar nicht zu reden.

          Statistiken, Gespräche, Preisausschreiben: „Sportschau”

          War es Zufall, dass selbst das Satiremagazin „Titanic“ vor einem Jahr die Waffen streckte und seinen seit Saison 2003/04 laufenden Appell an die Leser, sich bei der GEZ mit der Begründung abzumelden, Johannes B. Kerner sei als Moderator überbezahlt, einstellte? Dabei ist der nicht mal bei der „Sportschau“. Mittlerweile aber reden im Fernsehen alle Sportmoderatoren wie Kerner. Das ist Schmerzensgeld wert, aber keine Gebühren. (apl)

          Pop: Gebt uns Ed Sullivan, gebt uns Saures!

          Jetzt also, Karamba, Karacho, sprechen die Zahlen. Einen Euro ist sie wert, die deutsche Lulaleimusik. Und zwar im Monat. Das macht knapp drei Cent am Tag oder 0,13 Cent in der Stunde, was nun wiederum dem achthundertsechsundvierzigsten Teil des Eintritts zu „McClean“, der Kölner Bahnhofstoilette, entspricht. In dieser Region hätte ich den Wert auch veranschlagt und bin verwundert über den Realitätssinn des Barden. Doch geht es hier nicht um Peanuts, sondern um die Haselnuss. Schließlich kugelt Deutschlands führender Tattergreissender mit „Lustige Musiktanten“ nur eine seiner vielen Volksmusikaufwallungen aus dem Programm und das schlicht deshalb, weil moderne Senioren mehr zur Silbereisen-Konkurrenz mit ihrer „Harold and Maude“-Erotik tendieren: Heinoon im Altersheim.

          Ganz falsch ist das alles freilich nicht. Nach dem Untergang des Fernsehens ist die gedankenlose Auffüllung der Sendezeit mit Musik ein respektables Unterfangen. Allein, es sollte ein knüppelhartes Programm auch für Jüngere geben. Dafür zahlte ich Heinos eingehaltenen Obolus gerne vierfach zurück. „Top of the Tube“ müsste die Reihe ja nicht unbedingt heißen. Auch sollten nicht die „Wetten, dass ..?“-Zombies ein weiteres Mal auftreten. Nein, ein visionäres Konzept tut not. Holt Ed Sullivan aus der Erde. Lasst die „Thermals“ das Studio in Brocken rocken. Gebt uns Saures. (oju)

          Weitere Themen

          Sendestopp und Kampf um Sendeplätze

          Streik bei der ARD : Sendestopp und Kampf um Sendeplätze

          Während die Intendanten der ARD über die Zukunft beraten, fällt ihr Programm aus. Die Sender werden heute bestreikt, das bekommen Zuschauer und Zuhörer zu spüren. Und dann ist da noch die Sache mit dem Magazin „Weltspiegel.“

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.