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Heine-Preis : Handke-Debatte: Löffler und Lefèbvre verlassen Jury

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Wim Wenders: Solidarisiert euch mit Handke Bild: dpa

Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefèbvre haben die Jury des Heine-Preises verlassen - aus Protest gegen die Politiker, die Peter Handke den Preis nicht geben wollen. Wim Wenders und Elfriede Jelinek verteidigen den Dichter.

          Der Austritt der Kritikerin Sigrid Löffler und des Literaturprofessors Jean-Pierre Lefèbvre aus der Jury des Heinrich-Heine-Preis ist nach Ansicht ihres Mitjurors Julius H. Schoeps eine „konsequente Entscheidung“. Es könne in „keinem Fall akzeptiert werden, daß die Entscheidung einer Jury, die berufen worden ist, von politischen Instanzen gekippt wird“, sagte der Potsdamer Historiker am Freitag.

          Schoeps, der nicht für Peter Handke als Preisträger gestimmt hatte, ließ offen, ob er der Jury weiter angehören will. Löffler und Lefèbvre hatten in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ (Freitag) ihren Austritt mit dem vorgefallenen Vertrauensbruch begründet. „Einer Jury, die nicht zu dem steht, was sie selbst beschlossen hat, wollen wir nicht mehr angehören.“ Ohne Namen zu nennen, kritisierten sie Jury-Mitglieder, die sich öffentlich von der Entscheidung für Handke distanziert hatten. Die Düsseldorfer Ratsfraktionen hatten nach dem Eklat um die Zuerkennung des Preises an Handke angekündigt, ihre notwendige Zustimmung mehrheitlich zu verweigern. Löffler und Lefèbvre kritisierten eine „Hetzkampagne“ gegen Handke.

          „Lesen, aber nicht hetzen“

          Die „blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot gemacht und in seinem Werk beschädigt werden soll“, dürfe nicht unwidersprochen bleiben. Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek forderte in der „Frankfurter Rundschau“ (Freitag): „Lesen und dann reden, aber nicht hetzen.“ Einem Teil der Preisrichter werfen Löffler und Lefèbvre in ihrer Austrittserklärung auch mangelnde Vorbereitung und unzureichende Kenntnis vor.

          Ein Vorwurf, den auch der Filmemacher Wim Wenders erhebt. „Wer sich nur aufs Hörensagen verläßt, auf anonyme Quellen oder Gerüchte, der mag Peter Handke schnell verteufeln“, schreibt Wenders in der SZ (Freitag). Leser seiner Werke aber könnten nicht anders, „als dem Autor den Rücken zu stärken und sich zu solidarisieren“.

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