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Haus Baden : Ein Makler für Salem

Prinz Bernhard von Baden mit Schlüsseln vor Schloss Salem Bild: dpa

Prinz Bernhard von Baden formuliert es so: „Salem fährt 2007/2008 an die Wand.“ Und meint die Ankündigung, das Schloss notfalls zu verkaufen, als Drohung. Im Kern ist das aber keine schlechte Idee, erläutert Rose-Maria Gropp.

          Vielleicht hätte sich eine etwas andere Formulierung angeboten, angesichts des Gegenstands. Aber Prinz Bernhard von Baden sagte es am Sonntag bei einer Veranstaltung in Stuttgart so: „Salem fährt 2007/2008 an die Wand.“ Das meldet die Deutsche Presseagentur. Da das Moratorium seiner Banken zum Jahresende auslaufe, müsse das Haus Baden dreißig Millionen Euro Schulden zurückzahlen. Das sei nur über einen Verkauf der Anlage des früheren Zisterzienserklosters Salem möglich. Tatsächlich hatte schon im September das Kultur- und Museumsmanagement von Salem auf Anfrage der F.A.Z. mitgeteilt, dass es „ganz konkrete Interessenten“ gebe, mit denen verhandelt werde und die „bereit sind zu bezahlen, da das Schloss in einem sehr guten Zustand ist“.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Entscheidung des Hauses Baden ist im Kern zu begrüßen. Denn jedem Käufer von Salem ist unweigerlich klar, dass er ein eminentes Kulturgut erwirbt, dessen denkmalpflegerische Auflagen entsprechend sind. Er kauft diese Verpflichtungen mit, auch wenn das Maß der „Zumutbarkeit“ zu prüfen wäre. Und natürlich wird auch ein neuer Besitzer vom Land Zuschüsse zur Erhaltung des Kulturdenkmals bekommen, außerdem von der Landesförderung und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn. Bleibt hier zunächst die juristische Frage, ob das Haus Baden Salem überhaupt einfach so verkaufen könnte, ohne dass das Land Baden-Württemberg zustimmt?

          Auf Eis? Gespräche zwischen Land und Haus Baden

          Mit dem angekündigten Verkauf entkoppelt Prinz Bernhard offensichtlich das Problem des Erhalts der Anlage Salem durch seine Familie von der Frage nach dem Eigentum an jenen Kulturgütern im geschätzten Wert bis zu 300 Millionen Euro, die zwischen Haus und Land Baden umstritten sind. Eine Expertenkommission überprüft derzeit die juristische und historische Lage; sie wird noch vor Weihnachten die Ergebnisse ihrer Arbeit vorlegen. Vor gut einem Jahr wollte das Haus Baden siebzig Millionen Euro vom Land Baden-Württemberg - dreißig Millionen zur Tilgung von Schulden und vierzig Millionen für eine zu gründende Stiftung „Schloß Salem“. Dreißig Millionen Euro sollte der Verkauf der Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe bringen. Dieser Verkauf konnte verhindert werden. Weitere Nachforschungen führten zu der Frage, wer das Eigentum an den erwähnten Kulturgütern hat; das Haus Baden wollte sie dem Land überlassen, im Gegenzug gleichsam.

          Offenbar verwirrt ist angesichts der Verkaufsabsichten die Landesregierung: Das Wissenschaftsministerium erklärt auf Anfrage, für „die Liegenschaft“ Salem sei das Finanzministerium zuständig - und: „Es gibt keine Verhandlungen mit dem Haus Baden über Kulturgüter. Alle Gespräche liegen auf Eis.“ Wirklich scheint in Oettingers Regierung niemand mehr Salem unter die „Kulturgüter“ zu rechnen. Nur so läßt sich die Pressemitteilung verstehen, die an diesem Montag beim Finanzministerium erhältlich war - man lese und staune: „Das Land führt zurzeit Gespräche mit dem Haus Baden über das Schloß Salem. Bernhard Prinz von Baden hat ein renommiertes, privates Immobilienunternehmen beauftragt, Schloss Salem zu begutachten, das heißt den objektiven Wert des Kulturdenkmals und der Immobilie festzustellen. Das Gutachten wird in den nächsten Wochen vorliegen. Nach Kenntnisnahme der Expertise wird die Landesregierung über das weitere Vorgehen beraten.“

          Stuttgarter Verwirrspiel: Was will Oettinger?

          Die Landesregierung will anscheinend also ihr weiteres Vorgehen abhängig machen von einer Expertise, die ihr Verhandlungspartner in den äußerst komplizierten Angelegenheiten für sich selbst in Auftrag gegeben hat. Ob das bedeuten soll, dass womöglich das Land selbst den vom Makler des Hauses Baden ermittelten „objektiven“ Preis zu bezahlen bereit wäre? Oder heißt es, dass Baden-Württemberg die Preisvorstellungen des Markgrafenhauses schlicht zu übernehmen bereit ist, sollte zum Beispiel ein Investor für Salem gefunden werden? Entscheidungen, so heißt es aus dem Finanzministerium trotz allem, sind noch nicht gefallen. Den unerfreulichen Eindruck, man lasse sich unter Druck setzen, möchte man dann doch vermeiden.

          Dass Ministerpräsident Oettinger derweil gar nichts tue in Sachen Haus Baden, stimmt nicht: Tatsächlich lässt er seine beiden Landesbibliotheken im laufenden Jahr schon einmal prophylaktisch jeweils sechsstellige Summen bei den Ankaufsetats einsparen - eine Strafaktion könnte man es nennen, weil sie so stur die Handschriften verteidigt haben. Dass die Studenten in Baden-Württemberg für weniger Literaturversorgung neuerdings Studiengebühren entrichten, ist die eine Pointe. Die andere Pointe ist eher ein Rätsel: Warum tut die Regierung Oettinger das, wenn doch noch nichts entschieden ist über die Zukunft Salems, ehe die Expertenkommission ihre Ergebnisse vorlegt?

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