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#IchbinHanna : Für immer jung und arm

Protest gegen befristete Arbeitsverträge an der Universität Kassel Bild: dpa

Der akademische Mittelbau protestiert wieder einmal gegen seine Ausbeutung durch das Wissenschaftssystem. Doch die Politik sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern.

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          Das Seltsame an dem Video des Bundesforschungsministeriums, das unter dem Hashtag "#IchbinHanna" gerade einen Proteststurm von Wissenschaftlern auf Twitter losgetreten hat, ist nicht sein fortgeschrittenes Alter (es stammt von 2018), sondern die Bereitschaft zur Identifikation. Es handelt von der Biologin Hanna, einem Anime mit dem Charme eines Haushaltsroboters, und ihrem Karriereplan in der Wissenschaft. Sechs Jahre darf diese Hanna bis zur Promotion in der Wissenschaft bleiben und sechs Jahre danach. Dann hat sie die Professur oder muss raus aus der Wissenschaft.

          Thomas Thiel
          Redakteur im Feuilleton.

          Faire Arbeitsbedingungen soll ihr in dieser Zeit das Wissenschaftszeitvertragsgesetz garantieren, das 2016 reformiert wurde, um einen allseits beklagten und mehr als ein Jahrzehnt hingenommenen Missstand im deutschen Wissenschaftssystem zu beheben: Die rund zweihunderttausend Wissenschaftler des akademischen Mittelbaus hangeln sich jahrelang von Vertrag zu Vertrag mit Laufzeiten von nicht selten weniger als einem Jahr. Statt Forschungsarbeiten schreiben sie Bewerbungen, und dass der zerstückelte Lebens- und Arbeitsrhythmus weder der Wissenschaft noch ihnen selbst guttut, muss man eigentlich niemandem erklären.

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