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FDP und Klimawandel : Mammutaufgabe

Bald wieder am Leben? Ein Mann vor einer Mammut-Statue in Khanty-Mansiysk. Bild: AFP

Ein Harvard-Wissenschaftler will das ausgestorbene Wollhaarmammut wieder zum Leben erwecken und auf diese Weise den Klimawandel eindämmen. Das dürfte vor allem die FDP und Christian Lindner freuen.

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          Was kann das Mammut für das Klima leisten? George Church hat darauf eine ebenso klare wie überraschende Antwort: viel. Sehr viel sogar. Church ist Molekularbiologe und Genom-Wissenschaftler am Harvard Medical Lab in den Vereinigten Staaten. Schon vor einigen Jahren hat er die Öffentlichkeit über seine Pläne informiert, die so absurd klingen, dass man ihn wohl für verrückt erklären würde, wenn er kein Harvard-Wissenschaftler wäre: Church will das ausgestorbene Wollhaarmammut wieder zum Leben erwecken und auf diese Weise den Klimawandel eindämmen.

          Funktionieren soll das so: Das Erbgut der Asiatischen Elefanten wird verändert, sodass diese ihren einstigen Vorfahren ähneln. Die Mischform aus Elefant und Mammut soll dann enorme Kälte aushalten und in der sibirischen Tundra überleben können. Dort soll sie die Flora mit ihrem Fressverhalten so verändern, dass wieder mehr Sonnenlicht reflektiert wird, was einen positiven Effekt auf das Klima hätte. Außerdem soll sie die allmählich auftauenden Permafrostböden schützen, in denen Unmengen an Kohlenstoff gespeichert sind.

          „Mehr Freude am Erfinden“

          Dafür müssen die Tiere nur die Schneedecke platt trampeln, die dann den Boden effektiver kühlt. Ihr Gewicht wird auch kleine Risse im Eis entstehen lassen, das vom Wind dann an bisher davon ausgenommenen Stellen gekühlt werden kann. Eine Privatinitiative fördert das Projekt nun mit fünfzehn Millionen US-Dollar, wie kürzlich bekannt wurde. Church hofft, dass schon in ein paar Jahren erste Embryonen von Elefanten-Leihmüttern ausgetragen werden können. Doch ist das wirklich so einfach?

          Die Skepsis bei Wissenschaftlern, die nicht am Projekt beteiligt sind, ist groß, was Machbarkeit, rechtzeitige Umsetzung und den gewünschten Effekt angeht. Ein Erfolg würde hierzulande vor allem zwei Parteien entgegenkommen: der CDU und vor allem der FDP mit Christian Lindner in vorderster Front. Beide Parteien setzen bekanntlich auf Innovationen im Kampf gegen den Klimawandel. Der Parteichef der Liberalen wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass eine staatlich gelenkte Klimapolitik teurer sei als das Modell seiner Partei, die sich ganz auf den „Erfindergeist“ verlässt.

          „Für mehr Freude am Erfinden als am Verbieten“ steht auf den Wahlplakaten der FDP. Meist geht es im Kontext solcher Debatten um „marktwirtschaftliche Ansätze“ und futuristische Technologien wie CO2-Filter, die das Molekül aus der Atmosphäre saugen sollen. Weniger um ausgestorbene Tiere. Aber das wird Lindner egal sein, wenn die zotteligen Rüsseltiere mit den großen Stoßzähnen tatsächlich irgendwann ihren Teil dazu beitragen sollten, die Erderwärmung einzudämmen. Es wäre die große Stunde der FDP, die mit Recht sagen könnte: Seht her. Wir haben euch doch immer gesagt, wie diese Mammutaufgabe zu lösen ist.

          David Lindenfeld
          Volontär.

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