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Friedrichswerdersche Kirche : Einstürzende Altbauten

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Die Kirche und die Luxusbauten: Wäre alles so gelaufen wie geplant, hätte das Wohnhaus nur eine einstöckige Tiefgarage bekommen. Bild: dpa

Seit nebenan Tiefgaragen für Luxusappartements ausgehoben werden, klaffen in Schinkels Friedrichswerderscher Kirche Risse. Was geht schief bei der Bebauung von Berlins historischer Mitte? Ein Gastbeitrag.

          In Berlin wird viel gebaut: Hotels, Büros, Museumsbauten und zum Glück für die wachsende Stadt sogar in der Innenstadt auch wieder Wohnungen. Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit – und der Kritik – steht jedoch nicht deren Architektur, sondern das Thema bezahlbarer Wohnungen. Unter dem Druck der steigenden Zuwanderung von Flüchtlingen ist darüber hinaus eine Debatte über Standorte und Bautechnologie für das nach dem Fall der Mauer größte Wohnungsbauprogramm für Flüchtlinge entbrannt. Für die im Schatten dieser Debatte entstehenden privat finanzierten Wohnungen hat sich bei den Kritikern oft auch wegen der Standorte der Baumaßnahme das Wort von den unerwünschten, weil „unbezahlbaren“ Luxuswohnungen eingebürgert. Obwohl seit Jahrzehnten von Politikern und Planern ersehnt, sind solche Wohnungsbauten gerade in der Innenstadt auch bei Architekturkritikern oft zu Kennzeichen einer unerwünschten Verdichtung bei gleichzeitiger Gentrifizierung geworden.

          Der Ort, an dem sich diese Kritik exemplarisch bündelt, ist seit Mitte der neunziger Jahre die von den DDR-Planern für Staatsbauten, Aufmarschplätze und Autoschneisen frei geräumte Altstadt zwischen Fernsehturm, Marienkirche und Friedrichswerderscher Kirche. Während um eine mögliche Bebauung mit Wohnhäusern auf historischem oder neuem Stadtgrundriss zwischen Rathaus und Marienkirche bis heute heftig gestritten wird, hat der Senat schon 1999 beschlossen, das Areal am Friedrichswerder zwischen Kronprinzenpalais und Spittelmarkt samt der im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehenden Kirche von Schinkel mit „Stadthäusern verschiedener Wohnformen“ zu bebauen.

          Townhouses sind nicht mehr wegzudenken

          Im Unterschied zur Planung in der Friedrichstraße sollte hier nicht das Geschäftsviertel der Vorkriegszeit wiederauferstehen, sondern „für ein möglichst breites Spektrum von potentiellen Bewohnern attraktives Wohneigentum entstehen“ (Senator Peter Strieder, SPD). Als wesentliches Element für den Erfolg wurden die Bildung kleiner Grundstücke und ihre Vermarktung durch die städtische Liegenschaftsgesellschaft angesehen. Auf Grundlage dieses Konzepts wurde dann der südlich des Werderschen Marktes gelegene Teil unter anderem mit sechs Meter breiten bürgerlichen Stadthäusern bebaut.

          Inzwischen ist dieses östlich der Oberwallstraße gelegene Quartier aus dem Alltag der Innenstadt nicht mehr wegzudenken. Die dem Zeitgeist entsprechend „Townhouses“ genannten Wohnhäuser sind im Kontrast zur endlosen Fassade des Außenministeriums inzwischen zum beliebten Fotomotiv und zugleich zum architektonischen Vorbild ähnlicher Stadthausprojekte in Berlin geworden. Damit wurden auch zuvor nicht vorstellbare Potentiale für einen neuen Typ Bauherren (Baugruppen) mit individuellen Architekturvorstellungen für kleine Grundstücke und Baulücken der Innenstadt sichtbar. Voraussetzung für die Aktivierung solcher Potentiale ist allerdings, dass die öffentliche Hand kleinen Bauherren kostengünstige landes- oder bundeseigene Grundstücke zur Verfügung stellt. Nach dem erfolgreichen Probelauf auf dem südlichen Teil des Friedrichswerder hätte man daher eine Fortsetzung dieser Form von Grundstückspolitik auf den Arealen rund um die Friedrichswerdersche Kirche erwartet.

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