https://www.faz.net/-gqz-a1cjw

Erdogan und die Hagia Sophia : Herr Präsident, geben Sie Bewegungsfreiheit

  • -Aktualisiert am

Als achtes Weltwunder gerühmt: die Hagia Sophia Bild: Picture-Alliance

Mehmet II. und Atatürk haben die Hagia Sophia vor religiösen Eiferern bewahrt. Erdogans Entscheidung, sie wieder zur Moschee zu machen, bricht mit dieser Tradition. Es gilt, ein Raumwunder zu retten. Ein Gastbeitrag.

          5 Min.

          Auch nach mehr als einem halben Jahrtausend sitzt der Stachel des „Falls von Konstantinopel“ so tief im Fleisch des immer noch irgendwie christlichen Abendlandes, dass man dort die sich im Vollzug befindende zweite Umwidmung der einstmals größten und immer noch großartigsten Kirche der Christenheit in eine Moschee als Wiederholung der Siegergeste von 1453 empfindet. Doch entspringen die Umwidmungen Mehmets II. und Erdogans wirklich demselben Geist?

          Die Hagia Sophia hatte Kaiser Justinian von 532 bis 537 bekanntlich nicht als eine Kirche unter vielen gebaut, sondern als Aktionszentrum seines imperialen Kirchenstaates – sie fungierte als Krönungskirche, Gerichtssaal und Regierungssaal. Als solche konnte Mehmet II. sie unmöglich dem Patriarchen in einer Geste der Großzügigkeit überlassen. Eher schon hätte er sie zerstören können – aber das tat er nicht, denn er war alles andere als ein religiöser Eiferer, ja wohl nicht einmal gläubig, sondern ein multikulturalistischer Liebhaber der Künste und Wissenschaften. Auch hätte er sie allmählich verfallen lassen können. Oder aber, als kühl kalkulierender Stratege, der er war, konnte er sich mit ihr schmücken: sie mit wenigen Kunstgriffen umdeuten und damit das Weiterleben dieses damals schon fast tausend Jahre alten Gebäudes dauerhaft sichern. Denn als Kirche wäre sie früher oder später zum Objekt zerstörerischer Rivalitäten und Begierden geworden – als erste Moschee Konstantinopels hingegen war ihre Existenz gesichert.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ehrenpräsident des FC Bayern: Uli Hoeneß

          Uli Hoeneß im Interview : „Fußball wird sich verrückt verändern“

          Im F.A.Z.-Interview erklärt Uli Hoeneß, was er anders als Borussia Dortmund machen würde, dass der FC Bayern keinen Großeinkauf mehr in diesem Jahr wagen wird und warum er einst Maradona nach München holen wollte.

          Nur 18 Monate Bauzeit : Das Brückenwunder von Genua

          Keine zwei Jahre hat Italien gebraucht, um die eingestürzte Autobahnbrücke durch eine neue zu ersetzen. Nicht nur der Ministerpräsident spricht von einem Vorzeigeprojekt. Diese sind in Italien eigentlich Mangelware.