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Xenophobie in Europa : Die großen Nationen verschließen sich der hässlichen Realität

  • -Aktualisiert am

Die Seele Europas ist eine Wüste: Grenzpfosten zwischen Russland und Litauen auf der Kurischen Nehrung, unweit von Thomas Manns Haus in Nidden Bild: mauritius images / Thomas Hintze

Wir diskutieren über Ausgrenzung in Amerika – und übersehen dabei die alltägliche Selbstbezogenheit und Erniedrigung in Europa. Ein Gastbeitrag aus baltischer Perspektive.

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          Rein äußerlich sah es lange sehr schön aus: Die Europäische Union, die mit Europa weiß Gott nicht identisch ist, schien nach Jahrhunderten innerer Feindschaft und ständiger Kriegslust auf dem zierlichen Kontinent, der oft als „Wurmfortsatz Asiens“ bezeichnet wurde, Frieden geschaffen zu haben. Man kämpfte international für gemeinsame Interessen und genoss im Innern die Vorzüge moderner Infrastruktur und des Finanztransfers. In Polen kursierte der hübsche Aphorismus: Ex oriente lux, ex occidente luxus. Doch wer hinter die Fassade dieses Wunschbildes, der politischen Selbstrechtfertigungserzählung Brüsseler Funktionärseliten schaute, konnte immer noch auf das alte Europa der Eifersucht treffen. Es ist unverwüstlich vital. Europa gleicht einem riesigen Grand Prix d’Eurovision, wo jeder nur Seilschaften organisiert, um sich selbst und seinen Komplizen douze points zuzuschanzen und die ärgsten Rivalen in die Unsichtbarkeit zu schubsen.

          Ich wurde in Estland geboren, studierte in Polen, wohnte in Finnland, Schweden, England und Deutschland. In fast allen Ländern Europas, die ich erlebt habe, ist Fremdenfeindlichkeit epidemisch. Nur versteckt sie sich oft unter der halbhöflichen Maske des Desinteresses und der – als legitim geltenden – Selbstbezogenheit. Während meiner dreißig Jahre im Ausland hat sich das kaum geändert. Als ich 1989, noch zu Zeiten der Sowjetunion, meine Pläne, nach Polen, wo mir die Luft freier schien, umzuziehen, kundtat, konterte eine litauische Bekannte meine Hoffnungen mit Empörung: „Die Polen sind Verräter und Lügner; Du wirst das noch sehen.“

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