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Türkische Protestmusiker : Eiserne Faust und Märtyrerkult

Menschen protestieren gegen die Absage eines Konzerts von Grup Yorum Bild: Getty

Konzertverbote, hungerstreikende Künstler und authentische Musik: Der türkische Staat fürchtet sich vor Protestmusik. Das bekommt die Band Grup Yorum zu spüren.

          4 Min.

          Für Andersdenkende ist in der Türkei immer weniger Platz. Das trifft selbst einen Toten wie Ibrahim Gökcek, den Bassgitarristen von Grup Yorum, der bekanntesten linken Band der Türkei. Sein Leichnam war gerade erst bestattet worden, als sich vor dem Friedhof Anhänger der nationalistischen Partei MHP zusammenrotteten. Kurz zuvor hatten sie noch versucht, den Transport des Sargs von Istanbul nach Kayseri zu verhindern. Das gelang ihnen nicht, und so wollten sie den Leichnam exhumieren und verbrennen. Denn auf dem Friedhof, so skandierten sie, sei für „Terroristen“ kein Platz.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Vor Gökcek war am 3. April bereits die Leadsängerin der Band, Helin Bölek, ebenfalls nach einem Hungerstreik gestorben. Nationalistische Extremisten hatten auch ihre Beisetzung massiv gestört. Die beiden hatten ihren Hungerstreik im März 2019 im Hochsicherheitsgefängnis Silivri begonnen, wo sie mit fünf weiteren Bandmitgliedern und Gökceks Frau Sultan inhaftiert waren, ohne dass eine Anklage gegen sie vorgelegt worden wäre. Mit dem Hungerstreik protestierten sie gegen ihre Haft und das 2015 gegen die Band verhängte Konzertverbot.

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