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Großfamilien : Drei sind besser als zwei

  • -Aktualisiert am

Kehrt die Großfamilie zurück? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Während in Deutschland die Großfamilie als exotisch gilt, folgen in Amerika vor allem Gutverdiener dem Trend zum Dritt- oder Viertkind. Schon ist von einer Rollen- und Familienrevolution die Rede.

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          Die Karte kam kurz vor Weihnachten: eine Geburtsanzeige aus dem Taunus, darauf ein Foto von drei Jungs zwischen zwölf und fünf, die um die Wette einen Neugeborenen anstrahlen. Hoppla, dachten wir: vier Söhne, heldenhaft, Respekt.

          Ein paar Tage später, reiner Zufall natürlich, bekamen wir wieder Post. Diesmal von Freunden aus Dresden. Wieder eine Geburtsanzeige, wieder ein Junge in einer Familie, die schon zwei Söhne hat. „Jetzt sind wir komplett“ stand fröhlich und abschließend darunter. Wieder freuten wir uns mächtig mit den Eltern - und wurden auch ein wenig blaß. Dieser Mut! Diese Kraft! Diese Nerven! Kurz nach den Feiertagen besuchte uns dann ein Kollege, Korrespondent in Washington, mit seinen vier Frauen: der japanischen Gattin sowie drei entzückenden Töchtern. Und als schließlich auch noch zwischen den Jahren eine befreundete Mutter aus der Nachbarschaft andeutete, ja, auch sie erwarte ihr drittes Kind, wurden wir stutzig.

          Ein Gegentrend zur Kinderlosigkeit?

          Waren wir nicht erst im Sommer auf einer Taufe in Potsdam gewesen, auf der ein drittes Kind zu feiern war? Und hatten wir uns bei der Grillparty an der Krummen Lanke im Frühherbst mit unseren zwei Sprößlingen nicht irgendwie unvollständig, ja minderbemittelt gefühlt unter lauter Großfamilien? Wieso, fragten wir uns, begegnen uns neuerdings allüberall Familien, die ihre Minivans und Kombis nicht bloß mit gewaltigen Windelpackungen oder Sportgerät vollstopfen, sondern mit echten, lebendigen, fröhlich durcheinanderplappernden Kindern?

          Sollten wir da in unserer Umgebung plötzlich einen Gegentrend zur allgemeinen Kinderlosigkeit entdeckt haben, eine neue, unerwartete, allen düsteren Prognosen zuwiderlaufende Fruchtbarkeit, gar ein „goldnes Zeitalter“, das Horst Köhler dieser Tage in Tutzing, Novalis zitierend, allüberall ausmachte, wo Kinder sind? Sollte, kaum daß eine siebenfache Mutter Familienministerin geworden ist, ihr Beispiel schon Schule machen, ganz unabhängig von den großkoalitionär hochumstrittenen Details der Familienförderung? Oder wird da in Deutschland untergründig nur wieder einmal nachvollzogen, was in den Vereinigten Staaten längst schon als aktuelles Phänomen, als reproduktionsbiologische Mode ausgemacht ist: der Trend zum Drittkind?

          Aller guten Kinder sind drei

          „Three is the new Two“, zu deutsch etwa: 3 sind besser als 2, oder: aller guten Kinder sind drei, haben die Trend-Scouts aus den Kreißsälen und Kindergärten Amerikas vermeldet. Es sei derzeit der zuverlässigste Indikator für Reichtum, Optimismus und Selbstvertrauen, viele Kinder zu bekommen, heißt es. Die Journalistin Amy Astley etwa hyperventilierte unlängst in der Zeitschrift „Teen Vogue“: Wer ein drittes Kind bekomme, schreie damit „in alle Welt hinaus: meine Wohnung ist gigantisch, mein Auto geräumig, mein Kapital unerschöpflich!“ Der „New York Observer“ erklärte das dritte Kind gar gleich zum „Statussymbol der Dekade“: „Es verschafft Ihnen auf der Park Avenue mehr Respekt als eine Flotte blitzender Bentleys.“ Und Ms. Astley setzte gleich noch eins drauf, als sie verkündete, der Trend zum Drittkind diene nicht allein der Demonstration persönlichen Wohlstands, sondern befriedige auch eine eigentümliche, „kennedyeske“ Sehnsucht nach „der Begründung einer eigenen Dynastie“.

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