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Baerbock-Plagiat : So dick wie die Guttenberg-Suppe

Da war noch alles in Ordnung: Annalena Baerbock vor ihrer Buchpräsentation am 17. Juni in Berlin Bild: Reuters

So einfach der Fall Baerbock liegt, so vielfältig sind die Verharmlosungen der Medien. Plagiatsgutachter Stefan Weber sieht noch mehr peinliche Funde voraus.

          6 Min.

          Man kann die Debatte um den Abschreibskandal der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock aus politischer Perspektive erzählen, als Glaubwürdigkeitskrise einer Partei, in der Glauben bisher mehr galt als anderswo. Die Konkurrenten Armin Laschet und Olaf Scholz stehen derweil daneben und mucksen sich nicht. Jeder verheerende Baerbock-Tag ist ein guter Laschet-Tag. Ob auch ein guter Scholz-Tag, steht noch dahin.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Inzwischen muss man den Fall aber auch medienpolitisch betrachten, denn das nervöse Hufescharren von Journalisten, die mitmischen wollen, ist schon aus der Ferne zu hören. Am Donnerstagabend überraschte etwa das Nachrichtenportal T-Online mit der Schlagzeile: „Hintermänner suchten Plagiatsjäger für Anti-Baerbock-Kampagne“. In dem dazugehörigen Artikel schreiben die Journalisten Lars Wienand und Jonas Mueller-Töwe, „dass eine politisch motivierte Gruppe gezielt der Kandidatin schaden will und dafür auf die Suche nach professionellen Plagiatsjägern ging“.* Dann kommt der VroniPlag-Gründer Martin Heidingsfelder zu Wort und berichtet von einer „kleinen Gruppe“ von Hintermännern „eher aus dem rechten Lager“, die ihn angerufen und Plagiatsprüfer für das Baerbock-Buch gesucht hätten. Er, Heidingsfelder, habe „den Job aber abgelehnt“. Selbstverständlich, möchte man hinzufügen, man ist doch kein Kopfgeldjäger! So viel Berufsehre muss sein.

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