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Polizeischutz für die Churchill-Statue in London Bild: Reuters

Rassismusvorwürfe : Der lange Schatten des Winston Churchill

  • -Aktualisiert am

War Winston Churchill ein Kind seiner Zeit? Das Vereinigte Königreich streitet erbittert über die Bewertung des „größten Briten aller Zeiten“.

          7 Min.

          Als Historiker war Winston Churchill mit der Launenhaftigkeit der Geschichtsschreibung vertraut. Deswegen bemerkte er ironisch, die Geschichte werde ihn wohlwollend betrachten, weil er sie selbst schreiben werde. Dieser Gedanke ist in verschiedenen Varianten überliefert. In Übereinstimmung mit Balzac, der Bekannten damit gedroht haben soll, dass man sich in seinem nächsten Roman wiederbegegnen werde, hatte Churchill 1944 in einem zornigen Schriftwechsel mit Stalin über die Frage, ob Großbritannien 1940 einen getrennten Frieden mit Hitler hätte schließen können, einen Antwortentwurf verfasst, in dem er dem Sowjetführer zustimmte, dass „wir die Vergangenheit besser der Geschichte überlassen“ sollten, jedoch hinzufügte: „Aber vergessen Sie nicht, dass ich, wenn ich lang genug lebe, einer der Historiker sein werde.“

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Das wurde er dann auch. Von seiner monumentalen „Geschichte des Zweiten Weltkrieges“ sagte Churchill allerdings zu einem seiner Forschungsassistenten, dies sei nicht Geschichtsschreibung, sondern seine persönliche Sachdarstellung. In diesem Sinne hatte Arthur Balfour bereits über Churchills Geschichte des Ersten Weltkriegs spitzzüngig gewitzelt, sie sei „Winstons glanzvolle Autobiographie, getarnt als Geschichte des Universums“. Churchill selbst sprach einmal vom „schwerwiegenden Gericht der Geschichte“. Als Anwalt in eigener Sache ist er vor diesem Gericht weitgehend erfolgreich aufgetreten.

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