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Googles Datenmacht : Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal

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Fast jeder wird weniger verdienen, weniger Sicherheit haben, während die mit den größten Computern extrem reich werden. Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist die Lage professioneller Übersetzer. Sie werden weiterhin gebraucht, weil die Algorithmen, die automatische Textübersetzungen liefern, täglich um neue Begriffe erweitert werden müssen, um kulturelle Referenzen verstehen zu können, und doch werden Übersetzer als unfreiwillige und unbezahlte Freiwillige behandelt.

Wer die leistungsfähigsten Computer hat, entscheidet in einer hochentwickelten Gesellschaft über das Schicksal aller anderen. Das sollte uns Sorgen bereiten. Selbst wenn man Open Source verwenden kann und nicht ausschließlich auf Google-Dienste angewiesen ist, befindet man sich noch immer in der Gesellschaft, die von Google und Co. umgebaut wird.

Keine böse Absicht

Wir sollten aber auf Melodramatik verzichten. Die Leute bei Google sind keine Bösewichte. Meine Freunde und ich haben Google einmal ein Start-up verkauft, ich bin dort nur aufgeschlossenen und sympathischen Menschen begegnet. Auch manche Google-Kritiker stoßen nicht überall auf Zustimmung. Ich betreibe meine Forschung heute bei Microsoft Research, nicht zuletzt deswegen, weil Google nicht wollte, dass ich mich frei in der Öffentlichkeit äußere. Microsoft ist es egal, ob ich das Unternehmen kritisiere. Trotzdem würden mich viele Leute, vor allem in der Open- Source-Welt, als „bad guy“ bezeichnen, weil ich bereit bin, mit dem alten Erzfeind zusammenzuarbeiten. Es wird Zeit, sich von diesen Klischees zu verabschieden. Microsoft kann in vielen Punkten kritisiert werden, die auch für Google gelten, aber die Antipathie zwischen den beiden Unternehmen sollte keinen Einfluss auf unsere Einstellung zu Google oder zu dem großen Ganzen haben.

Gleichwohl müssen manche Moralapostel die Welt noch immer in Gut und Böse einteilen. Das Problematische an Google ist nicht der Charakter oder die Absicht der Leute in diesem Unternehmen. Es sind gute Leute. Das Problem ist, dass sie in einer extrem einflussreichen Position sind, in der sie die Gesellschaft destabilisieren werden, wenn nichts dagegen unternommen wird. Es war nicht böse Absicht – ich weiß das, weil ich am Anfang mit dabei war. Niemand hat das alles kommen sehen.

Microsoft ist der lebende Beweis, dass die Konfrontation mit einem starken Staat langfristig nicht schlecht sein muss für ein großes Unternehmen. Ich hatte keinen Kontakt zu Microsoft in jener Zeit, als man sich mit amerikanischen und europäischen Aufsichtsbehörden auseinandersetzen musste, aber ich vermute, das Unternehmen ist gestärkt aus diesem Konflikt hervorgegangen. Mächtige Unternehmen müssen daran erinnert werden, dass sie nur bestehen können, weil sie von der Gesellschaft unterstützt werden. Wenn sie sich dessen bewusst sind, kann ihre Arbeit nur besser und sinnvoller werden.

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