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Googles Datenmacht : Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal

  • -Aktualisiert am

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ich möchte darauf hinweisen, dass eine Klasse von Datenschutzexperten entstanden ist, die mit allem Nachdruck erklären, man könne die Privatsphäre und andere Werte durch Gesetze schützen, die die digitale Architektur der Zukunft vorwegnehmen. Ich halte diese Behauptungen für wenig überzeugend. Dass sie in EU-Kreisen offenbar einigen Einfluss haben, finde ich sehr erstaunlich.

Was die Sache noch komplizierter macht: Ein Unternehmen wie Google staatlicher Kontrolle zu unterwerfen ist auch deswegen so schwer, weil viele Menschen sich an Gratisdienste gewöhnt haben, geradezu süchtig danach sind und das Unternehmen in Schutz nehmen. Das erinnert an Menschen, die autoritäre Regimes verteidigen, weil sie sich einen kurzfristigen Vorteil davon versprechen.

Manchmal wollen technikaffine Menschen nicht zugeben, dass sie keine Kontrolle mehr über ihre eigenen Daten haben. Sie verwenden Open-Source-Software auf ihren Rechnern und behaupten gleichzeitig, gigantische Supercomputer, die irgendwo in absoluter Verborgenheit operieren, hätten keinen Einfluss auf ihr Leben. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Nur weil die Supercomputer von Unternehmen wie Google nicht zu sehen sind, heißt das noch lange nicht, dass sie nichts bewirken. Die Nutzer registrieren die unmittelbaren, für sie praktischen Vorteile, sollten aber das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren.

Die Kartentricks der Herrscher über Daten

Es ist inzwischen möglich, ganze Bevölkerungen mit Hilfe statistischer Kalkulationen zu beeinflussen, ihr Verhalten zu optimieren. Werbung ist keine Kommunikationsform mehr, sondern das bezahlte Mikromanagement der Optionen, die den Leuten angeboten werden. Das wiederum trägt dazu bei, dass die Leute schlechte Entscheidungen treffen. Das erklärt, warum so viele Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt in den letzten Jahren schlechte Kreditentscheidungen getroffen haben. Das wiederum hat einen Bezug zur europäischen Finanzkrise.

Zwar wurde für verrückte Hypotheken oft über Google und andere kundenorientierte Internetunternehmen geworben, aber die schlimmsten Akteure waren zweifellos diejenigen, die die Hypotheken direkt anboten, dabei allerdings ähnlich vorgingen wie Google. Sie nutzten Computer und Netzwerke, um informationelle Macht zu erhalten.

Wer Big Data geschickt einsetzt, ähnelt einem Spieler, der sich durch „Kartenzählen“ einen Vorteil verschafft. Alle anderen sind chancenlos. Deshalb sind Google und andere Unternehmen, die ganz oben in der Datennahrungskette stehen, auch gewisse Finanziers, so unfassbar reich geworden.

Google baut die Gesellschaft um

In der heutigen Situation ist das ein ernstes Problem, weil einfache Leute immer mehr ihrer Chancen beraubt werden. Das Problem wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch verschärfen, wenn automatisierte und hocheffiziente Technologien ausgereift zur Verfügung stehen. Dieser Weg wird nicht in ein Zeitalter des Wohlstands führen.

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