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Googles Datenmacht : Wer die Daten hat, bestimmt unser Schicksal

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Diese asymmetrische Bürde wird Einzelpersonen und kleine Firmen noch stärker benachteiligen, selbst wenn es gutgemeinte, aber nutzlose Datenschutzbestimmungen gibt. Die Überprüfung der Datenschutzeinstellungen ist für den Einzelnen ohnehin schon wahnsinnig komplex. Das bisschen Spielraum, das man bei den IT-Giganten (Google, Facebook und so weiter) hat, ist unzureichend, weil man zwangsläufig auch mit vielen anderen Akteuren zu tun hat, die mit diesen Unternehmen geschäftlich verbunden sind.

Bizarre Sinnlosigkeit endloser Datenschutzdebatten

Nur manisch-obsessive Technikfreaks können hier den Überblick behalten. Und staatliche Aufsicht ist nur eine Wunschvorstellung. Die Verfolgung von Datenschutzverstößen ist schon jetzt mit einem ungeheuren Aufwand verbunden, der gewiss nicht geringer wird.

Seien wir ehrlich: Die Vorstellung, der Einzelne werde entscheiden, welche Informationen auf Basis seiner Datenschutzeinstellungen anderen zur Verfügung gestellt werden, verkennt die hier wirksame Dynamik. Das funktioniert nicht und wäre ein völlig aussichtsloses gesetzgeberisches Unterfangen.

Ein anderes schönes Beispiel, wie Datenunternehmen staatliche Kontrolle unterlaufen können, ist die Art und Weise, wie sie sich der Besteuerung entziehen. Wir müssen aber unterscheiden zwischen der bizarren Sinnlosigkeit der endlosen Datenschutzdebatten und dem Aspekt der Besteuerung. Steuergesetze sind anwendbar, weil sie konkret definiert sind. Unternehmen haben Steuern zu zahlen. Datenschutz ist schwerer zu definieren, denn es gibt kulturelle und emotionale Aspekte, die vielleicht nie präzis zu fassen sind.

Ein Zug zur ikonographischen Größe: Google-Logo auf einem kalifornischen Solarfeld
Ein Zug zur ikonographischen Größe: Google-Logo auf einem kalifornischen Solarfeld : Bild: REUTERS

Wenn es um die qualitative Nutzung von Daten geht, wie beim Datenschutz, ist kaum vorstellbar, dass der Staat immer auf der Höhe der Entwicklung ist. Darum hat der Staat so viel Mühe mit dem Urheberrecht im digitalen Zeitalter. Es ist schlicht unmöglich, die Entwicklung von Computerprogrammen vorwegzunehmen, da es in den gesetzlichen Bestimmungen auch um qualitative Aussagen geht.

Wenn die Weitergabe kompletter Dateien von Filmen oder Büchern gesetzlich verboten ist, könnte man sie streamen, von Computern im Ausland oder innerhalb eines Peer-to-Peer-Netzwerks, und vielleicht wird kein Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt die gesamte Datei besitzen. Wir alle haben dieses Spiel in den letzten Jahren beobachtet. Viele Leute befürworten die Verfahren, mit denen urheberrechtliche Bestimmungen geschickt unterlaufen werden. Früher gehörte auch ich zu diesen Leuten. Aber untersuchen wir einmal, wie dieses Spiel im Fall Datenschutz aussieht.

Angenommen, wir erhalten Zugang zu allen Daten, die über uns gesammelt werden. Dann werden Unternehmen die entsprechenden Ergebnisse, mit deren Hilfe die Menschen manipuliert und ihre Aktivitäten prognostiziert werden, weiterhin für sich behalten.

Das ist ein diffiziles Thema, das in öffentlichen Debatten kaum vorkommt. Die großen Unternehmen sammeln nicht nur nach Art autoritärer Regime Daten über einzelne Personen, sie verwenden außerdem Algorithmen, um sie zu manipulieren. Der Gesetzgeber erreicht nur die äußerste Schicht dieses Prozesses, das rohe Datenmaterial, nicht aber den wertvollen Kern.

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