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Kulturpolitik in Italien : Giorgia Meloni reagiert allergisch auf Deutsch

In Giorgia Melonis mündlichen Prüfung für die Maturità, dem italienischen Äquivalent zum Abitur, ging es um Thomas Mann Bild: AP

Giorgia Meloni hat nicht viel für die deutsche Sprache und Kultur übrig. Das Goethe-Institut in Italien ist deshalb wichtiger denn je. Doch es muss seine Arbeit einschränken.

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          Giorgia Meloni hat nicht viel für die deutsche Sprache und Kultur übrig. Der Grund ist angeblich ein Erlebnis in ihrer Jugend, genauer gesagt: einer mündlichen Prüfung ihrer Maturità, des italienischen Äquivalents zum Abitur. So jedenfalls erzählt sie es in ihrer Biographie „Io sono Giorgia. Le mie radici, le mie idee“ (Ich bin Giorgia. Meine Wurzeln, meine Ideen): Meloni hatte für den mündlichen Teil Italienisch gewählt. Am Tag vor dem Examen wurde entschieden, dass sie stattdessen im Fach Deutsch geprüft wird.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das Thema: Thomas Mann und „Der Tod in Venedig“. Wie aufwühlend es war; unerwartet zu einem der bedeutendsten Werke der deutschen Literatur befragt zu werden, statt in Italienisch zu brillieren, schildert sie in ihrem Buch auf Seite 47: „Deutsch! Ich glaube nicht, dass in diesem Jahr noch jemand anderes die mündliche Prüfung in Deutsch gemacht hat. Manchmal frage ich mich, ob darin der Grund für meine gewisse Abneigung gegen Deutschland liegen könnte.“ Giorgia Meloni nahm, wie sie schreibt, die „deutsche Hürde“. Sie bestand ihre Maturità mit Bestnote. Das war 1996. In einem Interview von 2019 sagte sie, die vor ausländischen Journalisten niemals Deutsch, aber fließend Englisch, Französisch und Spanisch spricht, sie habe vergeblich versucht, Deutsch zu lernen: „Ich bin allergisch gegen Deutschland, sogar bei Büchern.“

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