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Beliebtes Stereotyp : Gibt es alte weiße Männer?

Die alten weißen Männer: Wer gehört dazu und warum – und wer nicht? Bild: Agnés Ricart

Das Konzept der „alten weißen Männer“ ist schwierig und gelegentlich willkürlich. Im Extremfall könnte auch eine farbige alte Frau ein „alter weißer Mann“ sein – sofern sie reaktionär genug ist.

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          Die Frage, ob es alte weiße Männer (AWMs) gibt, scheint eine rhetorische. Jede von uns kennt Beispiele dafür, ist selber einer oder hat mindestens von ihnen gehört. AWMs sind ein Stereotyp mit Sitz im Leben. Dort, wo in unseren Breiten über irgendetwas entschieden wird, finden sich wenige Frauen, wenige Junge, wenige Leute nichtweißer Hautfarbe. Fotos von Staatssekretären im Innenministerium, von Aufsichtsräten und Vorständen deutscher DAX-Unternehmen, von Herausgebern, Intendanten oder Vereinspräsidenten geben Indizien. Also werden die entsprechenden Eigenschaften in einem Bild zusammengezogen, um „Ungleichheit in der Zusammensetzung einflussreicher Positionen“ und „Blindheit der Machtausüber für diese Ungleichheit“ zu bezeichnen.

          Ein AWM ist also nicht einfach jemand, der die entsprechenden Merkmale aufweist, sondern eine Person, an der sich die symbolische Bedeutung ihrer Kombination zeigen lässt. Es geht um einen Habitus, eine Sicht auf die eigene Karriere und um Einstellungen zu gesellschaftlichen Macht- beziehungsweise Einflussverteilungen. Wer AWMs kritisiert, meint darum einerseits ein strukturelles Merkmal der Gesellschaft und andererseits ein unaufgeklärtes Verhältnis von Personen dazu, dass sie von diesem Merkmal profitiert haben.

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