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Gestohlene Zukunft : Gestern und morgen sind abgeschafft!

  • -Aktualisiert am

Fluch oder Segen? Wenn wir tolle Dinge erleben, holen wir so gut wie immer unser Smartphone aus der Tasche. Bild: dpa

Es heißt, die Digitalisierung läute eine neue Epoche ein: den Präsentismus, der uns Vergangenheit und Zukunft raubt. Wer hat sie aber wirklich gestohlen? Und was wird jetzt?

          15 Min.

          I. Die Medien sind schuld: Nicht erst seit der sogenannten Digitalisierung ist es üblich, Gesellschaftskritik in Form von Medienkritik abzuwickeln. Das nachgerade klassische Modell dazu besteht aus vier Elementen. Erstens wird Dringlichkeit festgestellt: Irgendetwas steht immer gerade auf dem Spiel (wie zum Beispiel Werte, Gemeinschaft oder Bildung) und bedarf des sofortigen wortmächtigen Einschreitens zur Vermeidung von Schlimmerem. Zweitens gibt es ein Erschrecken über abhandengekommene Evidenzen: Eine scheinbar eben noch vorhandene Unmittelbarkeit, Einheit oder Wahrheit wird plötzlich als beschädigt, verschleiert oder korrumpiert erfahren.

          Drittens bedarf es einer flexiblen Zuschreibung von Verantwortlichkeit: Einzelne Medien tragen die Schuld an einem je grundlegenden Umbruch und werden dessen im kritischen Prozess überführt. Durch diese den Medien zugesprochene Macht schafft sich Kritik den Ort ihrer Geltung. Und viertens und zuletzt eine historische Verlusterzählung: Die jeweils neuen, unvertrauten Medien werden an den jeweils alten, schon habitualisierten Medien gemessen und können dabei so lange nur verlieren, bis sie irgendwann selbst zu alten Medien geworden sein werden.

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