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Gespräch mit dem Architekten Christoph Sattler : Modern sein heißt, das Alte wiedergewinnen

  • Aktualisiert am

Wir leben in einer neuen, zweiten Moderne, sagt Christoph Sattler, weil wir die Freiheit haben, uns ohne ideologischen Scheuklappen zwischen Rekonstruktion und Neubauten zu entscheiden. Bild: Andreas Pein

Was bringt der Museumsneubau am Berliner Kulturforum? Für die Stadt zu wenig, sagt Christoph Sattler, der Schöpfer der Gemäldegalerie. Leichtfertig hat die Berliner Politik damit eine einmalige Chance vertan.

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          Herr Sattler, Sie haben die Berliner Gemäldegalerie gebaut. Bis zum Sommer dieses Jahres wurde darüber gestritten, ob das Haus in seiner ursprünglichen Funktion erhalten bleibt oder ein Museum des 20. Jahrhunderts dort einzieht, wie es die Direktoren der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geplant hatten. Inzwischen hat die Stiftung entschieden, ein Museum für die klassische Moderne neben der Neuen Nationalgalerie zu errichten und die Alten Meister in ihrem angestammten Domizil zu belassen. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?

          Ich freue mich, dass die Alten Meister bleiben, wo sie sind. Zahlreiche bauliche Details des Gebäudes sind genau auf diese Nutzung hin entworfen. Ich finde aber auch, dass am Kulturforum eine städtebauliche Chance vertan wird. Der Erweiterungsbau hinter der Nationalgalerie ist sicher die wirtschaftlichste Lösung, aber er beseitigt nicht das Problem, das in der missglückten Museumsplanung an diesem Ort liegt. Ich meine, ein Neubau an der Tiergartenstraße, zwischen der Gemäldegalerie und dem Kunstgewerbemuseum, ist die bessere Variante. Auf diese Weise fasst man die drei existierenden Museen, das Kupferstichkabinett, die Gemäldegalerie und das Kunstgewerbemuseum, mit dem neuen Haus für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts zu einer Einheit zusammen. Man würde dann die existierende Eingangshalle für die vier Museen umbauen, die unglückselige Rampe entfernen und einen Museumsplatz formen: eine etwas teurere Variante, aber eine radikale Verbesserung des Kulturforums.

          In der Machbarkeitsstudie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung wurde diese Variante ja ebenfalls geprüft. Der jetzt gefundene Standort an der Sigismundstraße war aber offenbar für die Preußenstiftung der bequemere Weg. Wie hätte ein klügerer städtebaulicher Ansatz denn aussehen können?

          Die stadtplanerische Idee des Kulturforums stammt von Hans Scharoun. Er wollte hier, am Rand von West-Berlin, eine „Stadtlandschaft“ mit Tälern und Höhenzügen, also mit isoliert stehenden Großbauten und dazwischen liegenden Parks und Autobahnen kreieren. Diese Vorstellung hat sich in den vergangenen vierzig Jahren nicht bewährt. Man spürt den sprachlichen Widersinn: Eine „Stadtlandschaft“ ist genau das, was die europäische Stadt nicht ist. Die Stadt ist die Stadt und die Landschaft der Raum ringsum. Es ist natürlich eine schöne Metapher, beides sprachlich zu vermischen.

          Dieses Eingeständnis scheint gerade der Berliner Baupolitik sehr schwer zu fallen. Warum scheut man den Abschied von den Konzepten der Nachkriegsarchitektur, aus Angst oder aus Nostalgie?

          Die Idee der Stadtlandschaft spukt immer noch durch die Köpfe auch junger Architekten. In den achtziger Jahren glaubte man, sie sei durch die Postmoderne überwunden, aber jetzt ist sie wieder da. Das Berliner Hansaviertel mit seinen freistehenden Wohnhäusern zum Beispiel kommt wieder sehr in Mode. Es gibt offenbar einen nicht aufzulösenden Widerspruch zwischen ganz verschiedenen Vorstellungen von dem, was eine Stadt ist.

          Beim Kulturforum gibt es allerdings eine spezielle Situation. Dort soll seit Jahrzehnten ein Ensemble entstehen, wie es ja schon das Wort „Forum“ verspricht. Aber es entsteht nichts, es wächst nichts zusammen. Woran liegt das?

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