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Konzert in Russland : „Unsere Bomben zielen auf Washington“

Chor in St. Petersburg beim Auftritt im Februar 2019 Bild: YouTube

Ein Lied des sowjetrussischen Chansonniers Andrej Koslowski, 1980 geschrieben und kürzlich in Petersburg aufgeführt, sorgt für Aufregung in der russischen Netzgemeinde – für heutige Hörer ist es voller Anspielungen.

          Den Tag des Vaterlandsverteidigers, den 23. Februar, beging der Petersburger Konzertchor mit einem Auftritt in der Isaakskathedrale, der mit einem Lied über ein Atom-U-Boot endete, dessen Bomben auf Washington zielen. Das Lied, das der sowjetrussische Chansonnier Andrej Koslowski 1980 verfasste, preist in frechem Ton die megatonnenschwere Bombenlast des U-Boots, erklärt, Amerika hätte vor fünfhundert Jahren nicht entdeckt werden sollen, und das Feindesland solle in Flammen aufgehen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Bei der Strophe über „meinen Freund Wowotschka“ – die Koseform von Wladimir –, der mit einem Flugzeug voller Bomben in die gleiche Richtung fliegt, denkt ein heutiger Hörer, zumal nach der Aufkündigung des INF-Vertrags, ans Säbelrasseln von Präsident Wladimir Putin und an sein Versprechen, im Fall eines Atomschlags würden die Russen ins Paradies kommen, alle anderen hingegen „krepieren“. Außerdem assoziiert man an das propagandistische Kinderlied „Onkel Wowa, wir sind mit dir!“, bei dem vor drei Jahren russische Grundschüler ihre Bereitschaft zum letzten Gefecht für den Oberbefehlshaber gelobten.

          Zum Zeitpunkt seines Entstehens sei das Lied „Mit dem Atom-U-Boot“ eher eine Satire auf die kriegsbesessene Sowjetpropaganda gewesen, erklärt der oppositionelle Missionar der russisch orthodoxen Kirche Andrej Kurajew, doch durch die offiziöse Darbietung durch den Konzertchor in der Kathedrale werde es de facto zum faschistischen Gesang. Leider spiegele das, so Kurajew, den gegenwärtigen politischen Kurs der regierenden Straßenganoven, der da lautet „Schlag als erster!“

          Die russische Netzgemeinde ist entsetzt. Der Dirigent des Chors, Wladimir Beglezow, behauptet jetzt, das Lied sei witzig und keineswegs politisch gemeint gewesen.

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