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„Klimahype“ der Wissenschaft : War der Vulkan Okmok Schuld am Untergang Roms?

  • -Aktualisiert am

Satellitenbild einer Inselgruppe in Alaska: Oben rechts ist der Okmok - Vulkan zu sehen, der 2008 zuletzt aktiv war - wie schon 43 vor Christus Bild: Bridgeman Images

Alles wird aufgefahren, was gut und vor allem teuer ist: Teile der Altertumswissenschaft reiten auf der grünen Welle ins Reich der Phantasie.

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          Die Geschichte der späten römischen Republik muss neu geschrieben werden. So könnte man jedenfalls meinen, wenn man die Publikationen einer internationalen Forschergruppe um den am Desert Research Institute in Reno (Nevada) forschenden Klimawissenschaftler Joseph R. McConnell ernst nähme. Über alle medialen Kanäle wurde die sensationsheischende Meldung verbreitet, dass ein gewaltiger Ausbruch des Vulkans Okmok auf der Aleuteninsel Umnak am südlichen Rand des Beringmeers wenige Jahrzehnte vor der Zeitenwende zum Untergang der römischen Republik und der ptolemäischen Herrschaft über Ägypten beigetragen habe. Das Rätsel um den „Klimaschock im alten Rom“, so titelte eine Pressemitteilung, sei gelöst: „Der Okmok brachte Rom zur Strecke“. Nach den Virologen erobern jetzt die Vulkanologen die Schlagzeilen.

          Über einen Vulkanausbruch, der am Ende der Republik zum klimatischen Notstand geführt habe, ist schon früher spekuliert worden. Ein Hauptverdächtiger war bisher der Ätna. Doch jetzt wird über einen der größten Vulkanausbrüche der letzten 2500 Jahre räsoniert. Der Fallout, der in sechs Bohrkernen aus dem Ewigen Eis der Arktis nachgewiesen werden kann, soll aus dem Okmok stammen und Anfang des Jahres 43 v.Chr. über die Welt gekommen sein. Massive klimatische Folgen werden vermutet. In bestimmten Mittelmeerregionen habe es heftig geregnet und die zweijährige Durchschnittstemperatur sei um bis zu sieben Grad gefallen. Extrem feuchtes Herbstwetter in Südosteuropa und das Ausbleiben des sommerlichen Nilhochwassers habe zu Missernten und Hungersnöten geführt, die wiederum soziale Unruhen ausgelöst hätten. Kurzum: Der Ausbruch eines Vulkans auf der gegenüberliegenden Seite der Erde habe die Auflösung der Republik, den Aufstieg des späteren Kaisers Augustus und das Ende der ptolemäischen Herrscherin Kleopatra VII. mit verursacht.

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