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Geschichtliche Parallele : Nur einer schickte Waffen und Militärberater

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Rebellen am Gebirgskamm der Somosierra Berge: Im Spätsommer 1936 wurde im Spanischen Bürgerkrieg um San Sebastian gekämpft. Bild: Picture-Alliance

Der Vergleich der westlichen Bemühungen um die Ukraine mit der Appeasement-Politik gegenüber Hitler hinkt. Die Parallelen zu einer anderen politischen Konstellation der dreißiger Jahre indes sind frappierend. Ein Zwischenruf.

          Kobane und jetzt Debalzewe - zwei Ortsnamen, die sich ins Gedächtnis einbrennen, obwohl oder weil bis vor kurzem kaum jemand sie kannte außer den Angreifern und Verteidigern beider unter Dauerbeschuss liegender Städte. Man denkt an Lidice und Oradour, deren Bewohner mitsamt Frauen und Kindern von SS-Männern ausgelöscht wurden als Repressalie für Akte der Résistance. Aber Putin ist nicht Hitler, auch wenn Rechtsradikale und Faschisten auf Seiten der Separatisten kämpfen wie auch in Kiews regulärer Armee.

          Der Ukraine-Konflikt ist kein Vernichtungskrieg, der auf die Ausrottung zu Untermenschen erklärter Gegner zielt; diese Charakteristik passt eher zu den Gotteskämpfern der Isis, die von Somalia und Syrien bis Libyen und Westafrika eine grauenhafte Blutspur rund um den Globus ziehen. Auch der Vergleich mit der Appeasement-Politik des Westens gegenüber Hitler, die vom Münchner Abkommen zur Aufteilung der Tschechoslowakei und später Polens führte, hinkt: Die Geschichte wiederholt sich nicht, oder doch?

          Immer das gleiche Drama

          Ein anderer Vergleich dagegen ergibt durchaus einen Sinn: Das Schicksal der Ukraine, die von den Westmächten im Stich gelassen wird, weil niemand einen Krieg mit Russland riskieren will und kann - auch nicht das Weiße Haus! -, das Schicksal der Ukraine erinnert an den Spanischen Bürgerkrieg, der rückblickend als Generalprobe für den Zweiten Weltkrieg erscheint.

          Washington, Paris und London ließen den Sonntagsreden von Freiheit und Demokratie keine Taten folgen, nur Stalin schickte Waffen und Militärberater, die er mit Goldreserven bezahlen ließ und die Spaniens junge Republik durch Säuberungen nach Moskauer Vorbild schwächten. Nazideutschland und das faschistische Italien hingegen griffen direkt in den Bürgerkrieg ein, den die Legion Condor mit ihren Stukas für Franco entschied - Stichwort Guernica.

          Das Gedächtnis der Medien ist kurz, unsere Lernfähigkeit begrenzt, und, aus der Distanz betrachtet, scheint es, als führten die politischen Akteure in wechselnden Kostümen immer das gleiche Drama auf, mal als Tragödie, dann wieder als Farce. Minsk eins war eine Farce, weil das Abkommen nicht mal im Ansatz realisiert werden konnte. Aber wie soll man Minsk zwei bezeichnen?

          Der Versuch von Angela Merkel und François Hollande, Schlimmeres zu verhindern, verdient Anerkennung und Respekt, nicht aber das vom Aggressor diktierte Abkommen, das einer Kapitulation gleichkommt und einseitig auf Kosten der Ukraine geht. Die soll auf den Donbass, die Industrieregion im Osten des Landes, verzichten und gleichzeitig deren Bewohner alimentieren, einschließlich der Separatisten, die sich das Gebiet unter den Nagel gerissen haben. Im selben Atemzug soll die Regierung in Kiew die Korruption bekämpfen und Reformen umsetzen - eine Quadratur des Kreises, wie sie nicht mal den von Krieg und Gewalt verschonten Griechen gelingt. Russland erzielt Geländegewinne, und trotz der vereinbarten Waffenruhe wird weiter gestorben an der tausend Kilometer langen Front.

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