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Ansprüche der Hohenzollern : Preußenschlag

  • -Aktualisiert am

Das Luisenzimmer im Hohenzollernmuseum im Berliner Schloss Monbijou, aufgenommen im November 1934 Bild: Picture-Alliance

Schlösser, Kunstwerke, Möbel und Briefe: Das Haus Hohenzollern erhebt neue Ansprüche auf einstigen Besitz. Darüber lässt sich verhandeln. Das Ansinnen, auch bei der preußischen Geschichtsschreibung mitreden zu wollen, geht allerdings zu weit.

          Das Haus Hohenzollern hat einen Wunschzettel geschrieben. Es fordert Schlösser und Kunstwerke, Briefe und Gemälde, Möbel und Aquarelle aus dem Besitz der preußischen Monarchen vom Bund und vom Land Brandenburg zurück. Es geht um mehrere tausend Objekte, die größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg durch die DDR verstaatlicht wurden und nach der Wiedervereinigung in den Besitz der Staatlichen Museen Berlin, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und des Deutschen Historischen Museums übergingen. Und es geht um Immobilien wie das Schloss Cecilienhof oder die Villa Liegnitz im Park von Sanssouci, für die der hohenzollersche Wunschzettel „ein dauerhaftes, unentgeltliches und grundbuchlich zu sicherndes Mitbenutzungsrecht“ fordert, sei es als Familiensitz oder für „private oder öffentliche oder gesellschaftliche Anlässe“.

          Über all das lässt sich verhandeln, auch wenn es seltsam anmutet, dass die Hohenzollern offenbar nicht etwa nach der geschichtlichen Bedeutung einzelner Stücke fragen, sondern nach Art einer archäologischen Grabungs- oder profanen Kaperfahrtgemeinschaft eine Fifty-fifty-Beuteteilung vorschlagen, sei es bei den Beständen der Schlösser von Rheinsberg und Monbijou oder bei den Gemäldesammlungen der Potsdamer Schlösserstiftung, deren Marktwert, so das Ansinnen, vorweg zu ermitteln wäre, damit auch keine der beiden Seiten zu kurz kommt. Das alles, wie gesagt, ist Verhandlungssache, [...] – irgendwann, wenn die Forderungen der Preußen-Erben weniger maximal und die Angebote der öffentlichen Hand weniger minimal sind, wird man zusammenkommen.*

          Über eines aber lässt sich nicht verhandeln, und das ist das Geschichtsbild, das in staatlichen deutschen Museen vermittelt wird. Hier verlangen die Hohenzollern nicht nur ein vom Bund betriebenes Familienmuseum im Theaterbau des Schlosses Charlottenburg, sie fordern auch „Mitsprache und Einbringung eigener Vorstellungen“ bei allen Ausstellungen, Publikationen und „sonstigen Maßnahmen“ zur preußischen Geschichte. Damit ist die republikanische Schmerzgrenze erreicht. Es hat seinen Grund, dass das Haus Hohenzollern bei der offiziellen Darstellung deutscher Geschichte nicht mitreden darf. Sein letzter gekrönter Vertreter Wilhelm II. hat – nicht aus Blutdurst, sondern aus Fahrlässigkeit und Inkompetenz – das Deutsche Reich in den Ersten Weltkrieg getrieben und dafür mit dem Verlust seines Throns bezahlt. Und mehrere seiner Nachfahren haben mindestens zeitweise mit dem Nationalsozialismus paktiert.

          Die oben erwähnte Villa Liegnitz etwa war der Wohnsitz des berüchtigten August Wilhelm („AuWi“), der wegen seiner blinden Hitler-Verehrung von den Nazis gern als Wahlkampfredner eingesetzt wurde und es bis zum SA-Obergruppenführer brachte. Möchte das Haus Hohenzollern in der Parkvilla nun sein Andenken ehren? Nein, die deutsche Geschichte bietet keinen Anlass zu preußischer Familiennostalgie. Sie ist bei den historischen Experten der Museen gut aufgehoben. Von prinzlicher Mitsprache wird dringend abgeraten.

          * Hinweis der Redaktion: Bitte lesen Sie hierzu auch die redaktionelle Richtigstellung.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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