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George W. Bush als Maler : Mit Ölfarbe in eigener Sache

  • -Aktualisiert am

Widmet sich mittlerweile nicht mehr der großen Politik, sondern vielmehr der Kunst. George W. Bush porträtiert in seinem neuen Buch amerikanische Migranten. Bild: AFP

George W. Bush, der 43. Präsident der USA, hat sich durch seine Migrationspolitik nicht beliebt gemacht. Nun wird er wieder beliebter. Ein Grund dafür ist sein neues Buch.

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          „Am Ende sind wir bloß stolze amerikanische Großeltern“, schreibt der ehemalige Präsident George W. Bush in seinem neuen Buch, das von ihm gemalte Porträts von nach Amerika Eingewanderten versammelt. Der Satz beschließt seine Hommage an eine der Porträtierten, die frühere Außenministerin Madeleine Albright. Doch Bush spricht auch über sich selbst und die Art, wie er gesehen werden möchte. „Out of Many, One: Portraits of America’s Immigrants“ heißen der Bildband und eine Ausstellung in der Präsidentenbibliothek in Dallas. Das Motto „Aus vielen eins“ ist ein Wahlspruch der Vereinigten Staaten, der sich im Siegel und auf Münzen in Latein findet: „E pluribus unum“.

          Vertreter beider Parteien beteuern gern, dass das Land von Einwanderern erschaffen worden sei, und verfolgen doch eine restriktive Immigrationspolitik. Bush bildete während seiner Präsidentschaft von 2001 bis 2009 keine Ausnahme. Seine Amtszeit war außerdem geprägt von umstrittenen Kriegen, Steuergeschenken an Besserverdienende und dem Platzen der Immobilienblase, auf die sowohl Bush als auch sein Nachfolger Barack Obama mit Rettungsaktionen für Banken und Unternehmen reagierten.

          Kein parteipolitisches Thema

          Im Vorwort zu diesem zweiten Band mit seinen bildkünstlerischen Werken würdigt Bush, die ersten Einwanderer Nordamerikas, die sich in stürmischer See auf dem Atlantik nie sicher hätten sein können, anzukommen. Er erkenne zwar an, dass Immigration für viele Menschen ein „emotionales Thema“ sei, es sei aber kein parteipolitisches. Er habe sein Buch nicht im Wahljahr publiziert, damit die Menschen, die er porträtiert habe, nicht „politisch ausgebeutet“ werden könnten, beteuert er. Die heutige Einwanderungspolitik sei „verwirrend, teuer und ineffizient“. Es sei jedoch wichtig, dass der Weg zur amerikanischen Staatsbürgerschaft „anspruchsvoll, zeitaufwändig und wettbewerbsorientiert“ bleibe, meint der 74 Jahre alte Bush. Die Einwanderer, die er malt, stellt er jeweils mit kurzen Texten vor. Er feiert die Integrationskraft harter Arbeit und den Anpassungswillen der Neuankömmlinge. Wer Amerikaner werden will, muss sich das verdienen, so die Botschaft.

          Kunstkritiker bescheinigen Bush, der 2012 mit dem Malen begann, durchaus handwerkliches Können. Gelernt hat er bei Künstlern wie Sedrick Huckaby, einem afroamerikanischen Maler und Kunstprofessor in Arlington. Huckaby bezeichnete Bush einmal als „ziemlich mutigen Künstler“, der leicht zu unterrichten gewesen sei. Viele werfen dem früheren Präsidenten aber auch vor, sich mit seiner Kunst rehabilitieren zu wollen. Wie andere Amtsinhaber war auch er ein Hardliner in der Abwehrpolitik gegen nicht weiße Migranten. Seine Regierung setzte an der südlichen Grenze auf Abschreckung und vergrößerte die Grenzschutztruppen um 63 Prozent. Bush rühmte sich 2007, die technische Überwachung der Außengrenzen modernisiert zu haben. Die größten Razzien an Arbeitsplätzen illegaler Einwanderer fanden während seiner Amtszeit statt.

          Eines der Porträts bildet Basketballer Dirk Nowitzki ab. Der Deutsche gewann mit den Dallas Mavericks 2011 den Titel. Bilderstrecke
          Porträts von George W. Bush : Aus dem Buch „Out of many, one“

          Bush nicht ohne Schuld an Trump Jahren

          Bush behandele die porträtierten Einwanderer in seinem Buch mit einer Würde, die Bushs Präsidentschaft ihnen nicht zugestanden habe, urteilt „Art News“. Zwar beschreibe Bush die Trump-Jahre als Anomalie, wenn er den Angriff auf das Kapitol mit Ereignissen in einer „Bananenrepublik“ vergleiche. Allerdings hätten viele vergessen, dass Bush es war, der Trump in vielerlei Hinsicht den Weg geebnet habe. Trumps Weigerung, Puerto Rico nach dem Hurrikan Maria 2017 umfassend zu helfen, habe an das Versagen Bushs zwölf Jahre zuvor erinnert, als Tausende meist schwarze Bürger ihn nach dem Hurrikan Katrina in Louisiana vergeblich um Hilfe anflehten.

          Trumps Razzien gegen Einwanderer ohne Visum und seine Besessenheit von einer vermeintlich organisierten Antifa hätten ihre Instrumente in den Institutionen gefunden, die Bush nach dem 11. September 2001 geschaffen habe. Und Trumps Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern, das Gerichte teilweise stoppten, war die Fortsetzung der republikanischen Politik unter Bush, die mit dem „Patriot Act“ die anlasslose Überwachung von Muslimen rechtfertigte. Auch die „erweiterten Verhörmethoden“, etwa die Folter Gefangener in Irak, Afghanistan und im Militärgefängnis Guantanamo auf Kuba gingen auf Bushs Konto.

          Trotz „Folter-Memo“ wieder beliebter

          Der Sohn des 41. Präsidenten George H.W. Bush erlebte trotzdem während der Amtszeit von Donald Trump eine Rehabilitation. Selbst Linksliberale sahen den Republikaner plötzlich in milderem Licht. CNN wollte schon 2018 herausgefunden haben, dass der 43. Präsident seinen Beliebtheitswert in den zehn Jahren nach dem Ende seiner Amtszeit nahezu verdoppelt habe. Als er das Weiße Haus verließ, waren 33 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden, Anfang 2018 sahen 61 Prozent Bush positiv. Besonders Wähler der Demokraten entdeckten demnach während der Trump-Ära ihr Herz für den Mann, der 2002 das „Folter-Memo“ unterzeichnet hatte, in dem es hieß, „keine der Vorschriften der Genfer Konvention“ seien auf den Kampf gegen die Terrororganisation Al Kaida anwendbar.

          Bushs Kunst ist aber nicht nur als PR-Projekt in eigener Sache zu sehen. Der Pensionär porträtiert und feiert ja nicht nur Madeleine Albright, sondern auch einen ihrer umstrittensten Vorgänger im Außenamt Henry Kissinger, der von einigen Fachleute aufgrund der illegalen Bombardierung Kambodschas im Vietnamkrieg oder seiner Rolle beim faschistischen Militärputsch in Chile 1973 durchaus kritisch gesehen wird. Bushs Porträts sind gefällige Hommagen und in seiner Formel von den „amerikanischen Großeltern“ sollen viele ihren sanft ausgeleuchteten Platz finden.

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