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Genomentschlüsselung für alle : Sie haben ein erhöhtes Risiko für Prostata-Krebs

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So in der Art. Was wir nicht machen: Wir verkaufen auf keinen Fall Zugang zu unseren Daten! Sämtliche Forschungsarbeiten werden von unseren eigenen Mitarbeitern erledigt. Die Vorteile unseres Ansatzes liegen vor allem darin, dass wir eine unglaubliche Effizienz in den Forschungsprozess bringen. Nehmen wir zum Beispiel Parkinson. Ein Wissenschaftler würde Jahre damit verbringen, Ärzte zu finden, die bereit sind, an Parkinson Erkrankte für eine Studie zu gewinnen. Dann benötigen Sie eine Kontrollgruppe. Bis Sie die Ergebnisse Ihrer Forschung publiziert haben, sind ohne weiteres sechs bis acht Jahre ins Land gegangen. Wir bei 23andMe haben schon heute mehr als 10000 von Parkinson Betroffene als Teil unseres Research-Programms – das ist die größte Gen-Datenbank von Parkinson-Patienten weltweit. Unsere ersten Studien, die wir zu dem Thema veröffentlicht haben, wurden in weniger als 18 Monaten erstellt. Wir können uns auf völlig neue Gebiete konzentrieren. Zum Beispiel auf die Frage, ob es neben den Genen noch weitere Faktoren gibt, die Einfluss auf bestimmte Krankheiten haben. Ist es gar das Verhalten? Mit solchen Fragen beschäftigen sich unsere Forscher gerade.

Im Gespräch mit 23andMe Firmensprecherin Catherine Afarian.

Sie sind also auch in der Lage, das Verhalten von Menschen zu rekonstruieren, indem Sie auf seine DNA schauen?

Das ist das Schöne an DNA. Der wesentliche Teil Ihrer DNA wird sich über die kommenden 40 Jahre nicht verändern. Einer der Gründe, weshalb wir versuchen, Sie durch Fragebögen zu motivieren, an Ihrer DNA-Auswertung mitzuarbeiten, ist, zu erfahren, was Sie tun, was Sie nicht tun, wie Ihre Krankheitsgeschichte aussieht. Aus diesen Daten können wir über einen Zeitraum von fünf, zehn oder 20 Jahren erkennen, ob es auffällige Verhaltensmuster gibt, die eventuell Auswirkungen auf Ihre Gesundheit haben. Die Kombination, dass wir sowohl Umwelteinflüsse als auch die Gen-Daten sammeln, ist unschlagbar.

Versicherungsunternehmen würden sich über derlei Daten von mir sicherlich freuen, oder?

Hm, gut möglich. Ich weiß natürlich nicht, wie interessant Sie sind. Hier in den Vereinigten Staaten gibt es ein Bundesgesetz, das es vor allem Arbeitgebern, aber eben auch Krankenkassen verbietet, Menschen aufgrund ihrer Gen-Informationen zu diskriminieren. Dieser Genetic Information Nondiscrimination Act oder kurz Gina gilt seit 2008, es gibt also einen gewissen Schutz. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel langfristige Pflege-Policen, die nicht unter diese Regelung fallen. Mit der Genetik verhält es sich wie bei jeder Form von technischen Errungenschaften, das Rechtssystem läuft der Entwicklung stets ein wenig hinterher.

Aus dem Innenleben einer Gen-Datenbank: Großraumbüro in der Firmenzentrale des Biotechnologie-Unternehmens 23andMe.

Versicherungen könnten Bonus-Programme anbieten für Menschen, die ihre DNA freiwillig zur Verfügung stellen.

Für die richtige Vorsorge wäre das sicherlich ein möglicher Ansatz. Unsere Mission als Firma ist es, das Gesundheitswesen dahin zu bewegen, Krankheiten nicht erst zu bekämpfen, wenn sie schon eingetreten sind. Man möchte doch erst gar nicht krank werden! Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass richtige Vorsorge unglaublich effektiv sein kann. Hier gibt es unzählige Ansätze. Wir wissen beispielsweise, dass gewisse Krankheiten in bestimmten Bevölkerungsgruppen häufiger auftreten als in anderen. Sichelzellenanämie ist eine Erkrankung, die vor allem bei Afroamerikanern verbreitet ist. Mukoviszidose hingegen tritt häufiger bei Aschkenasi-Juden auf. Solche Krankheiten lassen sich zwar sicherlich nicht allein durch Vorsorge verhindern, aber wenn man weiß, man hat irgendwo eine mögliche Schwäche, dann kann man beizeiten besser darauf achtgeben.

Sie wären also der Meinung, man sollte seine DNA in möglichst jungen Jahren analysieren lassen?

Es gibt Stimmen, die glauben, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Genotypisierung des Menschen zum Standard wird, schon bei der Geburt.

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