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Genomentschlüsselung für alle : Sie haben ein erhöhtes Risiko für Prostata-Krebs

  • -Aktualisiert am

Wo befinden sich meine Gen-Daten gerade?

Aus Sicherheitsgründen veröffentlichen wir solche Details nicht.

In den Vereinigten Staaten?

Ja, davon können Sie ausgehen.

Mal eine provokante Frage: Wozu solche Daten überhaupt noch verstecken? Wer könnte etwas davon haben?

In der Tat gibt es nur einen sehr eingeschränkten Personenkreis, der mit solchen Daten überhaupt etwas anzufangen wüsste.

Lassen Sie uns mal ein dunkles Szenario entwerfen. Was könnte schlimmstenfalls geschehen, wenn meine Gen-Daten in die falschen Hände geraten?

Viele Menschen machen sich Sorgen, weil wir es bei der Genetik mit einem Forschungsfeld zu tun haben, das noch in den Kinderschuhen steckt. Wer weiß schon, was in fünf oder vielleicht zehn Jahren alles möglich sein wird. Ich denke, dieser Gedanke macht die Menschen vorsichtig. Du triffst heute eine Entscheidung, aber du hast keine Ahnung, welche Konsequenzen das möglicherweise in der Zukunft hat. Für einen Hacker sind Kreditkarten-Informationen heutzutage vermutlich wertvoller als genetische Fingerabdrücke. Aber gilt das auch noch in der Zukunft? Menschen hängen sehr an ihrem Geld, aber ich glaube, sie machen sich noch mehr Sorgen um ihre Gene. Weil es sprichwörtlich ein Teil von ihnen ist. Es handelt sich eben nicht nur um Einsen und Nullen, die man völlig losgelöst von sich selbst betrachten kann. Es handelt sich um das Rezept, das uns zu dem macht, der wir sind. Darum wird es auch oft emotional, wenn das Thema Genetik und Datenschutz diskutiert wird. Das ist menschlich.

Womit genau wollen Sie eines Tages Geld verdienen?

Wenn Sie sich die Geschichte von 23andMe ansehen, so haben wir uns in den ersten fünf Jahren vor allem darauf konzentriert, eine solide wissenschaftliche Grundlage für unsere Forschungsarbeit zu schaffen. Nachdem uns das ganz gut gelungen ist, sind wir im vergangenen Jahr dazu übergegangen, unseren Schwerpunkt auf Wachstum und Masse zu verlagern. Wenn es darum geht, eine, fünf oder gar 25 Millionen Menschen für einen Service zu begeistern, wird die Preisgestaltung zur entscheidenden Hürde. Ende 2012 hat eine Analyse bei uns noch 299 Dollar gekostet. Kollegen aus der Forschungswelt hielten das schon damals für unschlagbar günstig. Aber für den durchschnittlichen Amerikaner sind selbst 99 Dollar ein nicht unerhebliches Investment.

Wie haben Sie es also geschafft, den Preis auf unter 100 Dollar zu drücken?

Im Dezember vergangenen Jahres ist es uns gelungen, Yuri Milner mit an Bord zu holen. Der russische Investor ist bereits an anderen Firmen wie etwa Facebook oder Twitter beteiligt. Durch die 15 Millionen Dollar, die Yuri in unser Unternehmen gesteckt hat, war es uns möglich, die Preise zu senken. Erklärtes Ziel ist es, so schnell und so viele neue Kunden zu gewinnen, wie nur irgend möglich.

Es dreht sich also alles um Masse?

Es geht uns in der Tat um Masse. Wenn man erst einmal die Daten von einer Million Menschen hat, ist die Schlagkraft, die man dadurch erlangt, gewaltig. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, unsere Forschung und die Daten, die wir besitzen, zu monetarisieren. Da wird es sicherlich noch Möglichkeiten geben, die wir heute noch gar nicht antizipieren können. Das hängt alles von den Daten ab. Wir werden über die Jahre sicherlich neue Verwertungswege und Angebote schaffen. Für den Moment aber liegt unser Augenmerk, wie gesagt, auf Masse und Wachstum.

Sie erschaffen also eine gigantische Gen-Datenbank, die Sie später an potentielle Kunden verkaufen?

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