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Humboldt-Uni rudert zurück : Gecancelter Gender-Vortrag wird nachgeholt

Ort der Freiheit? Teilnehmer einer Demonstration gegen den Vortrag der Biologin Vollbrecht in einem Hörsaal der Humboldt-Universität im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften am 2. Juli 2022. Bild: dpa

Der gecancelte Geschlechter-Vortrag der Biologin Marie-Luise Vollbrecht wird von der Humboldt Universität nachgeholt. Zur Absage verstrickt sich die Hochschule in Widersprüche. Der „Arbeitskreis kritischer Jurist*innen“ wähnt sich als Siegerin.

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          Die Humboldt Uiversität will den in der „Langen Nacht der Wissenschaften“ abgesagten Vortrag der Biologin Marie-Luise Vollbrecht zu Geschlecht und Gender am 14. Juli nachholen. Das sagte der Universitätssprecher Boris Nitzsche der Deutschen Presse-Agentur. Der RBB hatte darüber zuerst berichtet.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Vortrag soll am 14. Juli mit einer Podiumsdiskussion verbunden werden, zu der Bundeswissenschaftsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) und die Berliner Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) eingeladen sind. „Es geht uns vor allem um die Frage: Wie können wir Wissenschaftsfreiheit gewährleisten? Wie müssen sich Universitäten und auch die Politik dazu aufstellen?“, sagte Uni-Sprecher Nitzsche. Der Vortrag solle, wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt, aufgegriffen, kontextualisiert und diskutiert werden. Zunächst hatte es seitens der Universität geheißen, es werde einen Folgetermin geben, „bei dem Frau Vollbrecht aber auch Vertreter:innen von RefRat und Trans-Gruppen eingeladen werden“, damit „das Thema in einer der Universität angemessen Weise diskutiert werden kann“.

          Was war der wirkliche Grund der Absage?

          Die Universität hatte den Vortrag unter dem Titel „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ anstandslos abgesagt. Zunächst hieß es, dies geschehe aus Sicherheitsgründen. Dann schob die Universitätssprecherin Birgit Mangelsdorf in einer Antwort an FAZ.NET eine weitere Begründung nach, in der sie auf einen Artikel in der „Welt“ verwies, an dem Marie-Luise Vollbrecht mitgeschrieben hatte.

          „Der Vortrag wurde im Interesse der Gesamtveranstaltung ,Lange Nacht der Wissenschaften' abgesagt“, hatte Birgit Mangelsdorf auf Anfrage von FAZ.NET am Sonntag gesagt, „um Akteur:innen wie Besucher:innen die ungestörte Teilnahme an diesem Fest der Wissenschaften in Berlin zu ermöglichen.“ Der Referentinnenrat (RefRat) der Universität habe „am Freitag eine E-Mail an die gesamte Studentenschaft verschickt“, in welcher „er zur Teilnahme an einer Demonstration gegen den Vortrag von Frau Vollbrecht aufrief. In der Folge wurden dann auch Gegenaktionen von Vollbrecht-Unterstützer:innen angekündigt und vorbereitet. Wir mussten deshalb mit einer möglichen Eskalation rechnen, die die gesamte ,Lange Nacht der Wissenschaften' überschatten würde.“

          Sprecher widerspricht der Sprecherin

          „Grundsätzlich“, so die Sprecherin gegenüber FAZ.NET weiter, verstehe sich die Humboldt-Universität „als ein Ort, an dem kein Mensch diskriminiert werden sollte, sei es wegen seiner Religion, seiner vermeintlichen Rasse, seiner sexuellen Identität oder wegen irgendeines anderen Merkmals, das als Unterscheidungsmerkmal angesehen wird.“ Die „Meinungen“, die Frau Vollbrecht in einem Artikel in der Zeitung „Die Welt“ am 1. Juni vertreten habe, stünden „nicht im Einklang mit dem Leitbild der HU und den von ihr vertretenen Werten. Die HU hat sich dem ,den wechselseitigen Respekts vor dem/der Anderen' verpflichtet. Wir distanzieren uns daher von dem Artikel und den darin geäußerten Meinungen ausdrücklich.“

          Der Uni-Sprecher Nitzsche sagte der Deutschen Presse-Agentur nun, es sei bei der Absage des Vortrags allein um die Sicherheit gegangen. „Nach Fragen an die Polizei haben wir die Veranstaltung abgesagt, weil wir befürchteten, dass die Situation eskalierte. Es waren eine Demonstration und eine Gegendemonstration angekündigt“, so der Sprecher. Es müsse möglich sein, dass auch umstrittene Personen Vorträge halten. „Für die Handhabung von solchen Situationen sind Hochschulen derzeit nicht gut aufgestellt“, sagte Nitzsche. Die Entscheidung habe nichts mit dem Artikel in der „Welt“ zu tun. Die Einlassungen der Universität bleiben also widersprüchlich.

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