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Gehirntraining : Eine Hoffnung für Schlaganfallpatienten

  • -Aktualisiert am

Kreuz und quer durch das Gehirn: In diesem Suchrätsel sind waagrecht und senkrecht 36 Wörter versteckt, aus denen sich anschließend 18 zusammengesetzte Wörter bilden lassen Bild:

An der Schnittstelle zur Maschine: In Tübingen lernen Menschen, den Cursor allein mit den Gedanken zu steuern - mit erstaunlichen Folgen für den Körper. Teil 6 unserer Serie zum Hirntraining.

          7 Min.

          Der populäre Schauspieler und Fernsehmoderator Peer Augustinski erlitt vor drei Jahren einen schweren Schlaganfall. Nach einer Blutung in der Tiefe des rechten Gehirns war seine linke Körperhälfte praktisch vollständig gelähmt, ohne dass er größere geistige Ausfälle zu verzeichnen hatte. Auch ein Jahr nach dem katastrophalen Ereignis hatte sich trotz intensiver medikamentöser Behandlung und physiotherapeutischen Trainings wenig geändert. Er konnte zwar langsam und, meist auf seine Frau gestützt, kurze Strecken zurücklegen, die linke Hand aber, welche die Kommandos für die Bewegungen von der rechten Hirnhälfte erhält, war praktisch unbrauchbar.

          Peer Augustinski hörte von einem neuen Behandlungsversuch am Magnetoenzephalographie-Zentrum der Universität Tübingen, das gemeinsam mit den amerikanischen National Institutes of Health und dem National Institute of Neurological Disease and Stroke in Washington D.C. vorangetrieben wird. Damit sollen Schlaganfallpatienten, die keinerlei Restbewegungen auch noch ein Jahr nach dem Schlaganfall aufweisen, in die Lage versetzt werden, durch ein Gehirn-Computer-Interface nur mit der Kraft ihrer Gedanken und dem Willen zur Bewegung ihre gelähmte Hand wieder bewegen können.

          Sie sollten sich vorstellen, die Hand zu öffnen

          Augustinski und zehn andere Leidensgefährten, die ebenfalls keinerlei Verbesserung in der Bewegungsfähigkeit ihrer gelähmten Hand verzeichnen konnten, nahmen an diesem Brain-Computer-Interface-Training in Tübingen und Washington teil. Alles schon ältere Personen, meist zwischen sechzig und siebzig Jahren, alle aber noch geistig fit und willens, ihre Krankheit und deren Folgen aktiv zu bewältigen.

          Auflösungen demnächst auf diesen Seiten

          Die Patienten nahmen an zwanzig Trainingssitzungen teil, in denen die elektromagnetischen oder elektrischen Aktivitäten eines Gehirnabschnitts in der Nähe der zerstörten Hirnregion von Sensoren außerhalb des Kopfes aufgezeichnet wurden, während sie in der Vorstellung versuchten, ihre gelähmte Hand zu bewegen. Die Magnetfelder des Gehirns bei vorgestellten Bewegungen und real ausgeführten Bewegungen entstehen in denselben Hirnregionen, im Zentralbereich des Großhirns - und zwar in jeweils der Hirnhemisphäre, welche der gelähmten Hand gegenüberliegt, also im Falle der linken Hand in der rechten Hemisphäre. Die Patienten wurden trainiert, sich Bewegungen wie Hand öffnen und Hand schließen vorzustellen, und gleichzeitig konnten sie auf einem Bildschirm beobachten, wie sich die Magnetfelder aus jenen Hirnteilen, welche die Handbewegung steuern, bei diesen Vorstellungen verändern. Man nennt das „Neurofeedback“ -Rückmeldung über die Hirnaktivität. Der Computer teilte ihnen in Form eines sich verändernden Pfeils mit, wie gut sie in der Lage waren, Hirnantworten und Magnetfelder zu produzieren, welche die richtigen Bewegungen repräsentieren.

          In zwanzig Sitzungen von „zufällig“ bis „achtzig Prozent korrekt“

          Sobald es ihnen gelungen war, durch pure Vorstellungskraft und die Kraft ihrer Gedanken die richtigen Magnetfelder zu produzieren, begann sich unter dem Einfluss ihrer Vorstellungen die Hand entsprechend der Vorstellung - von den Magnetfeldern gesteuert - zu bewegen. Dabei war die Hand an eine Plastikprothese fixiert. Die Plastikprothese war über kleine Kabel mit dem Magnetoenzephalographen oder dem Elektroenzephalographen, welche die Hirnströme auffangen, verbunden. Bei der richtigen Vorstellung entstanden die entsprechenden Magnetfelder und bewegten dann die an der Hand befestigte Prothese in der vorgestellten Art und Weise. Damit konnten die Schlaganfallpatienten das gelähmte Glied wieder willentlich bewegen.

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