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Promillegrenze für Radfahrer : Betrunken Fahrrad fahren ist doch ein Menschenrecht

  • -Aktualisiert am

Schlau: Dieser Radfahrer stärkt sich vor der Fahrt erst einmal mit isotonischem Gerstensaft. Gibt’s dafür bald eine Strafe? Bild: dpa

Erst die D-Mark, dann die Glühbirne und jetzt das: Die deutschen Automobilclubs wollen verbieten, dass wir uns betrunken aufs Rad setzen. Was will man uns denn noch alles nehmen?

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          Die Deutsche Verkehrswacht, der ADAC und der ACE wollen die Promillegrenze für Fahrradfahrer senken. Seit wann entscheiden eigentlich Automobil-Lobbyisten, in welchem Aggregatszustand wir Fahrrad fahren sollen? Gegenwärtig darf man ungestraft bis 1,6 Promille unterwegs sein. Aber „man kann es nicht so lassen, wie es ist“, sagt Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. Und andere tröten begeistert in dasselbe dissonante Horn.

          Ich fordere: Erhöht die Promillegrenze oder, besser noch, hebt sie endgültig auf! Betrunken Fahrrad fahren ist ein Menschenrecht, und wer dieses Recht in Anspruch nimmt, darf nicht noch bestraft werden. Der Mensch ist das einzige Wesen im Weltall, das alkoholisiert Fahrrad fahren kann, ja, ich würde sogar sagen, das alkoholisiert Fahrrad fahren muss. Ich bin in meinem Leben schon sehr oft betrunken Fahrrad gefahren, ich habe es gerne getan und würde es immer wieder tun. Denn erst der Alkohol verleiht meinem Fahrstil eine Eleganz, die mir nüchtern oft abgeht.

          Kommt die Wegfahrsperre für Radfahrer?

          Ich bin für harte Strafen, wenn man ohne Beleuchtung radelt, das ist grob fahrlässig, doch wer einen Helm aufzieht, soll nicht bestraft werden, denn er ist durch den Helm schon genug entstellt. Null Promille im Auto, da lasse ich mit mir reden, das Auto ist eine tödliche Waffe, die nur von nüchternen Schützen bedient werden sollte. Null Promille auch auf dem E-Bike, denn das kann sich in der Hand eines betrunkenen pensionierten Studienrats zu einem unkontrollierbaren Geschoss entwickeln. Aber auf dem stromlosen, nur durch Muskel- und Willenskraft betriebenen Rad, da sollten keine Promillegrenzen gelten.

          Eine ganz aktuelle Studie des Verkehrssicherheitsrats kommt zu dem Ergebnis, dass man mit 1,6 Promille durchaus fahrradfahrtüchtig ist. Ein durchschnittlicher Mann muss neun kleine Biere trinken, um auf den Wert von 1,6 Promille zu kommen. Wie schnell sind an einem geselligen Abend neun kleine Biere verzehrt? Vor allem, wenn man stattdessen neun große genommen hat. Soll man demnächst etwa immer mitzählen? Was kommt denn jetzt noch? Die Wegfahrsperre für Radfahrer? Muss man vor Fahrtantritt in das Ventil des Vorderreifens blasen, und wenn man zu viel getrunken hat, verfärbt sich das Vorderlicht blau? Jörg Elsner, der Vorsitzende des Deutschen Anwaltsvereins, bringt es auf den Punkt: „Wer alkoholisiert fährt, gefährdet in der Regel nur sich selber.“

          Für die Alkoholpflicht am Lenker

          Das kann ich bestätigen. Vor drei Jahren kredenzte mir ein Freund mehrere Weine, die „unbedingt wegmüssen“, wie er sich ausdrückte. Dazu hörten wir Musik aus verschiedenen Anbaugebieten. Beim Abspielen von Neil Youngs „Harvest“ gab sein CD-Player den Geist auf, und ich musste mit der Lebensgefährtin des Freundes das gesamte Album selbst singen. Das gelang uns so vorzüglich, dass wir das Ganze wiederholten. Kurz nach Mitternacht bemerkte ich, dass keiner mehr mitsang, und ich verabschiedete mich. Zu meiner Überraschung war die Zeit draußen schneller vergangen, der Morgen dämmerte, ich setze mich auf mein Fahrrad, fuhr etwa fünfzig Meter, dann stürzte ich so geschickt, dass ich relativ langsam mit dem Gesicht auf dem Bürgersteig aufschlug und zwar so, dass meine Nase genau an der Bordsteinkante vorbeiglitt. Versuchen Sie einfach, sich das vorzustellen, nüchtern kann man das eigentlich kaum beschreiben. Jedenfalls war meine Gleitsichtbrille hinüber, ein Schaden von mehr als tausend Euro. Ich hatte nicht nur mich gefährdet, sondern auch meine Ersparnisse, aber sonst war niemand verletzt worden.

          Dieses Beispiel möge allen als Warnung dienen, beim Trinken niemals teure Brillen aufzusetzen. Das müsste man wirklich mal gesetzlich regeln, es sollte Billigbrillenausgabestellen geben, an denen man sich vor einer Trunkenheitsfahrt mit Sehhilfen versorgen kann. Aber das nur nebenbei. Man hat uns die Zigarette, die Glühbirne und die D-Mark genommen, und demnächst müssen wir den zweischlitzigen Toaster beim Energiekommissar abliefern. Wie sollen wir denn aus dieser überreglementierten Gesellschaft fliehen? Das geht doch nur noch betrunken auf dem Fahrrad. Und was unterscheidet den Angehörigen der westlichen Wertegesellschaft vom Islamisten? Die Fähigkeit, ja, der feste Wille, betrunken Fahrrad zu fahren!

          Wem das noch nicht einleuchtet, der sollte sich folgende Zahlen vor Augen halten: Weniger als fünf Prozent aller an einem Unfall beteiligten Fahrradfahrer sind alkoholisiert, mehr als 95 Prozent also nüchtern, der nüchterne Radfahrer ist damit fast zwanzigmal so gefährlich wie der betrunkene! Müsste man da nicht eigentlich die Alkoholpflicht am Lenker einführen?

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