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Corona-Pseudoexperten : Sie simulieren Wissenschaft

Pseudoexperte an die Spitze seines Corona-Beraterstabs: Scott Atlas Bild: EPA

Was ist gefährlicher als der Wirklichkeitsverlust auf Querdenker-Demos? Der Pseudoexperte, der sein akademisches Ticket für Desinformation missbraucht.

          5 Min.

          Angesichts von ungebrochen siebzig, achtzig oder neunzig Prozent Zustimmung in hiesigen Repräsentativumfragen zum Coronamanagement, verbietet es sich, die Stimmungsbilder, die das bösartige Geraune auf Twitter liefert, überzubewerten. Und doch lassen sich in den Attacken gegen seriöse Wissenschaftler und Politiker plötzlich Muster erkennen, die schon den Klimawandeldiskurs immer wieder in Schieflage gebracht haben. Der Ausnahmezustand wird für die ohnehin angekratzte Krisenkommunikation zur schweren Bürde.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Fast schon karikierend war das in den vergangenen Tagen in einem Tweet zum Ausdruck gekommen, in dem der weltweit angesehene, aber politisch auch nicht zimperliche Potsdamer Paläoklimatologe Stefan Rahmstorf mit ironischen Anführungszeichen als „Klimaforscher“ gedemütigt und abfällig zum Chef-Aktivisten erklärt wurde. Der Versuch konnte nur scheitern. Dafür hatte die Nuhr-Affäre ein Nachspiel. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sah sich, nachdem sie den gegen Klima- und Coronaexperten gerne frotzelnden Satiriker Dieter Nuhr für ihre Videokampagne #fürdasWissen als Reaktion auf Hunderte Twitterproteste vorschnell ausgeladen und dann aus Gründen der Meinungsfreiheit wieder aufgenommen hat, den Vorwürfen frustrierter Wissenschaftler ausgesetzt, die den Shitstorm ausgelöst hatten und den Spottvogel Nuhr als Repräsentanten für die Wissenschaften als schlechten Scherz betrachteten. Ein Repräsentant zwischen Anführungszeichen sozusagen.

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