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Geert Wilders vor der Wahl : Osterei, Nikolaus und Windmühlen

Geert Wilders am Mittwoch vor der türkischen Botschaft in Den Haag Bild: AFP

Geert Wilders, Chef der „Partei für die Freiheit“, profiliert sich als Hüter niederländischer Traditionen. Die findet er nicht in der liberalen Demokratie des Landes, sondern in einer Phantasiewelt aus Märchenzauber und Erlebnispark.

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          Er ist ihnen peinlich. Nicht annähernd so peinlich wie liberalen Amerikanern ein Präsident namens Donald Trump, aber es reicht. Ernüchterung und Konsternation sind bei vielen Niederländern mit Händen zu greifen, wenn sie von Geert Wilders sprechen, dem Vorsitzenden der „Partij voor de Vrijheid“ (PVV). Etwas ist mit ihrem schönen Land passiert, nicht erst gestern, und Wilders ist dessen vollkommener Ausdruck. Etwas ist zu Bruch gegangen, und der denkende Teil der Bevölkerung grübelt darüber nach, was das sein könnte.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Er sei letztes Jahr in Manchester, New Hampshire, bei einer Wahlveranstaltung von Donald Trump gewesen, erzählt uns der niederländische Autor und Journalist Bas Heijne. Fürchterliches Wetter, ein Blizzard sei niedergegangen, und Trump habe nach draußen gezeigt und Tausenden Anhängern zugerufen: „Und man will, dass wir vom Klimawandel reden!“ Gelächter, tosender Beifall. Radikale Vereinfachung, sagt Heijne, das war die Botschaft dieses Augenblicks, und daraus bestehe schon die erste Hälfte des Populismus. Die andere sei das Versprechen auf Wiedergewinnung der Autonomie. America first! Die Niederlande sollen wieder uns gehören!

          Eliten unter Druck

          Bas Heijne, Jahrgang 1960, schreibt für das „NRC Handelsblad“ eine vielgelesene Kolumne. Seine letzten beiden Bücher wurden Bestseller — der Essay „Unbehagen: Neues Licht auf den zivilisierten Menschen“ (Ambo Verlag, 2016), vor fünf Wochen ein weiterer Essay mit dem Titel „Staat van Nederland“ (Prometheus), wobei das erste Wort nicht nur Staat, sondern auch Zustand bedeutet. Heijne ist Angehöriger der Generation, deren Blindheit er thematisiert. Der „stillschweigende Vertrag“, den die Niederlande vor vielen Jahren geschlossen hätten, sei gebrochen, sagt er uns in einem Restaurant der Amsterdamer Innenstadt. Der Vertrag der liberalen Demokratie hieß: Du kannst werden, wer du sein möchtest, denn du bist ein autonomes Subjekt. Du hast die Freiheit, deinen Beruf und deinen Lebensstil zu wählen, unabhängig von Herkunft, Glauben, Hautfarbe. „Und sehen Sie, was daraus geworden ist: Unsicherheit, Gleichmacherei, Globalisierung. Immigration. Computer wissen mehr über uns als wir selbst. Wer will da noch von Autonomie sprechen?“

          Notfalls müssen die Grenzen der Niederlande eben mit feuerspeienden Phantasiegeschöpfen wie diesen Drachen im Freizeitpark Efteling verteidigt werden.

          Dass der Islamgegner Wilders in den Umfragen vorn liegt, auch wenn sein Vorsprung zusammengeschmolzen ist und wenig für seine Regierungsbeteiligung nach den Wahlen am 15. März spricht, verrät also nicht nur etwas über objektive Probleme. Sondern auch über das Versagen anderer. „Der Idealismus der Nachkriegszeit wurde von Eliten begründet“, so Heijne. „Doch jetzt stehen diese Eliten selbst unter Druck. Sie haben noch kein neues Narrativ, das sie der radikalen Vereinfachung der Populisten entgegensetzen könnten.“

          Staatsschutz für den Schwarzen Peter

          Im letzten Wahlspot von Wilders ertönt optimistische Musik. Man sieht: wehende Fahnen, dann Windmühlen im Sonnenschein. Geert Wilders kommt ins Bild und sagt: „Freiheit, Unabhängigkeit, Zukunft: Es ist Zeit für Veränderung. Die Briten tun es. Die Amerikaner tun es. Und wir, wir können es auch tun.“ Gemeint ist: Abschottung vor muslimischen Flüchtlingen.

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