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Garri Kasparow im Gespräch : Die Angst vor künstlicher Intelligenz ist Hollywood-Stoff

Wie sollten wir darauf reagieren?

Hier in Deutschland oder in Frankreich oder in Amerika wissen wir, was zu tun ist – wie man Druck auf die Regierung ausübt, wie man mehr Transparenz einfordert. Das Problem ist, dass der größere Teil der Welt unfrei ist. Und noch größer ist das Problem, dass die Leute, die diese unfreien Ländern beherrschen, auch Zugang zu unserer Welt haben. Wir sollten Trump dankbar sein, dass er gewonnen hat. Seitdem das in Amerika passiert ist, sind die Leute aufmerksam geworden. Jetzt ist ihnen klar, dass die Fake-News-Industrie, das Hacking praktische Auswirkungen hat. Trumps Sieg war ein Weckruf. Auch hier in der EU ist Putins unsichtbare Hand spürbar. In Amerika konnte man sie sogar sehen. Jetzt müssen wir unsere Kräfte vereinigen, um die Meinungsfreiheit zu vereidigen, die von Fake News beeinträchtigt wird. Es muss klar sein, was Putin tut und andere Diktatoren mit ihm: die Wahrheit vortäuschen. Wir haben einige technische Möglichkeiten, unser Gebiet zu verteidigen.

Das klingt nach einem Kalten Krieg künstlicher Intelligenzen.

Was immer wir künstliche Intelligenz nennen, ist ein Werkzeug, um unsere Werte zu verteidigen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Technologie, die in der freien Welt erfunden worden ist, nicht in Russland, der Türkei oder China, zur Einschränkung der Freiheit benutzt wird. Jetzt können sie es benutzen, um das Fundament der freien Welt zu untergraben. Fake News und Hacking sind ist eine gesellschaftliche und eine politische Herausforderung, und natürlich muss man intelligente Maschinen einsetzen.

Dennoch haben Sie einen optimistischen Blick auf die Entwicklung künstlicher Intelligenz.

Ich bin von Natur aus ein unheilbarer Optimist. Jahrzehntelang haben wir riskante Unternehmungen zurückgestellt und stattdessen ein behagliches Leben mit stufenweisen Verbesserungen geführt. Jetzt bringen uns intelligente Maschinen in die Lage, diese Vorhaben wieder aufzugreifen: die Erkundung des Weltalls, die Erkundung der Ozeane. Wenn Maschinen alles besser machen können, von dem wir wissen, wie es gemacht wird, werden die Dinge wichtiger, von denen wir es nicht wissen. Es gibt weite Gebiete, auf denen künstliche Intelligenz uns die Vorherrschaft nicht streitig machen kann, in der Kunst zum Beispiel. Man kann nicht begründen, warum Picasso wichtiger ist als Dalí. Das ist nicht quantifizierbar. In den Bereichen, die unser Wissen überschreiten, müssen auch Maschinen noch dazulernen.

In einem Turing-Test der Zukunft könnte es darum gehen, ob ein Kunstwerk von einem Maler oder einer Maschine gemacht, ein Roman von einem Autor oder einem Automaten geschrieben worden ist.

Ich mag mich irren, weil uns der technische Fortschritt schon oft eines Besseren belehrt hat, aber große Literatur, Kunst oder Musik kann nicht in Mikroelemente zerlegt werden. Maschinen haben Algorithmen. Sie haben keine Leidenschaft, sie haben keine Gedanken. Und sie werden sie nie haben. Maschinen träumen nicht. Dadurch erschaffen wir große Kunst. Es wird buchstäblich unmöglich für Maschinen sein, das nachzumachen.

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