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Statuenstreit in Berlin : Ein Verrat an der Geschichte

  • -Aktualisiert am

Eingerüstetes Gedenken: Die Statuen vor dem Abtransport Bild: Gabi Dolff-Bonekämper

Diese Preußen müssen zurück in die Mitte Berlins: Die Denkmäler von Scharnhorst und Bülow, die seit 2002 gegenüber der Neuen Wache standen, gehören wieder an ihren alten Ort. Ein Gastbeitrag.

          7 Min.

          Vor wenigen Wochen wurden in Berlin zwei stattliche Feldherrendenkmäler abgebaut, die zwischen der Staatsoper Unter den Linden und dem Prinzessinnenpalais ge­standen hatten. Sie waren schon seit 2020 in ihren Winter-Gehäusen verborgen ge­blieben, denn der weiße Carrara-Marmor, aus dem sie geschlagen wurden, durfte nicht länger der Berliner Stadtluft ausgesetzt werden. Keines der vom Landesdenkmalamt angesprochenen Museen in Berlins Mitte wollte sie aufnehmen – sie seien zu groß, zu militärisch, passten nicht zum kuratorischen Konzept, man habe keinen Platz im Depot und sehe auch keine Perspektive für eine Ausstellung. Das Museum in der Spandauer Zitadelle war schließlich dankenswerterweise bereit, sie in seine klug konzipierte Dauerausstellung „Enthüllt“ aufzunehmen. Da stehen sie nun, Meisterwerke des preußischen Klassizismus, im Kreise anderer ausrangierter Berliner Denkmäler aus den letzten beiden Jahrhunderten.

          Auf dem Rasen bei der Oper standen sie erst ab 2002. Die Sockelinschriften weisen sie als Darstellungen der Generäle Gerhard von Scharnhorst und Friedrich Wilhelm Bülow von Dennewitz aus, denen König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1822 diese Denkmäler gewidmet habe. Sie standen dort auf ihren hohen Sockeln, einander durch Gesten und Kopfhaltung zugewandt, und blickten doch sonderbar beziehungslos aneinander vorbei. Kein Wunder, denn ihnen fehlte die Mitte: die Neue Wache, das 1818 eingeweihte Wachgebäude und Denkmal für die Befreiung Preußens von der napoleonischen Besetzung. Statt die Neue Wache, wie damals bestimmt, im großzügig bemessenen Raum vor dem historischen Kastanienwäldchen zu rahmen, waren die Denkmäler ihr gegenüber aufgestellt, von ihr getrennt durch den viel be­fahrenen Boulevard Unter den Linden. Wie konnte das geschehen?

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