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Serie „Wildwechsel“ : Freiheit für den Hirsch!

  • -Aktualisiert am

Prächtiges Naturschauspiel: ein röhrender Rothirsch Bild: picture alliance/Zoonar

Zieht ein Hirsch über für ihn unsichtbar gezogene Reviergrenzen, muss der dort verantwortliche Jäger das Tier töten: Wenn mehr Bürger wüssten, was dem Rotwild im Zeichen des Klimaschutzes angetan wird, wären sie entsetzt.

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          Als geschlagen und bar jeglicher Vorräte malt sich in Shakespeares „Antonius und Cleopatra“ Cäsar den so sterblich in die ägyptische Königin verliebten Triumvir Antonius aus: „Du trankst den Harn der Rosse und die gelbe Lache, / Die Vieh zum Ekel zwänge: dein Gaum’ verschmähte / Die herbste Beere nicht auf rauhster Hecke: / Ja, wie der Hirsch, wenn Schnee die Weide deckt, / Nagt’st du der Bäume Rinden“ – „Yea like the stag, when snow the pasture sheets. The barks of trees thou browsed“.

          Die herbste Beere auf rauhster Hecke würde auch der Hirsch im Winter so wenig verschmähen wie die Baumrinde. Was Shakespeare wildbiologisch richtig und empathisch beschreibt, das wird dem Rotwild in Zeiten des Klimawandels gefährlich. Die paarhufige Wiederkäuerart soll drastisch reduziert werden. Schon jetzt darf sie sich nur auf 25 Prozent der deutschen Fläche sehen lassen, außerhalb der fast überall in Deutschland abgesteckten Bezirke ist der Abschuss Pflicht.

          Bei der Bedrohung des Waldes, sagt Kreisjagdmeister Thomas Köhrer, zuständig für den Rhein-Hunsrück-Kreis, ausgebildeter Revierjagdmeister und Forstwirtschaftsmeister, falle reflexhaft zuerst der Begriff Wildschäden. Als ob die Gefährdung des Waldes auf dem Boden stattfände. Nicht das naschende Rehwild und äsende Rotwild vernichten Forste. Es sind von drei Dürrejahren und Borkenkäferbefall geschwächte und zum Teil zerstörte Wälder, die als überlebenswichtige CO2-Speicher wiederaufgeforstet werden müssen.

          Die Konsequenzen könnten unterschiedlicher nicht sein

          Plötzlich meinen manche zu wissen, dass es sich bei den vernichteten Fichtenwäldern um „Plantagen“ und „Monokulturen“ handelt, als wären frühere Förstergenerationen beim Pflanzen wie Fabrikdirektoren vorgegangen. Nun da diese – verständlichen und in bester Absicht begangenen – Fehler korrigiert werden sollen, bedroht, so denken viele, ein dramatischer Feind, eben das Rotwild, das Gelingen der Wiederaufforstung. Herzen, in denen eben noch Bambi wohnte, fliegen jetzt den jungen, von Verbiss bedrohten Bäumchen zu, seelenvollen, miteinander kommunizierenden Wesen, wenn es nach den Fernsehförstern der Nation geht. Natürlich, die Naturverjüngung – wo also die auf den Waldboden gefallenen und aufgegangenen Samen von Bäumen aufgehen und zum Waldkindergarten heranwachsen – ist in Gefahr, angeknabbert und damit geschädigt zu werden.

          Von Rotwild  geschältes Nadelholz im Kobernaußerwald
          Von Rotwild geschältes Nadelholz im Kobernaußerwald : Bild: Picture-Alliance

          Haben die Bäume die Phase der Kindheit und Jugend überstanden und sind über die Knabberhöhe des Schalenwilds hinausgewachsen, schadet das bei Shakespeare geschilderte Abnagen und Abreißen der Rinde, das sogenannte Schälen, ihnen als nun größeren Bäumen. Hunger in der winterlichen Notzeit, wenn die fressbare Krautschicht schneebedeckt ist, ist ein wesentliches Motiv des Schälens beim Rotwild, darüber besteht kein Zweifel. Die Konsequenzen, die Förster, Jäger und Berufsjäger aus der Tatsache ziehen, dass Baumrinde, Zweige und Äste zur normalen Äsung des Rotwilds gehören, könnten allerdings unterschiedlicher nicht sein.

          Aufgestört im Winter

          Gewiss, die Rotwildpopulation ist in Deutschland nicht gefährdet, etwa 220.000 Stück leben hier. Anders als beim seit der Jahrtausendwende wieder einwandernden und in der gesamten Republik willkommen geheißenen Wolf aber weisen die Landesjagdgesetze dem Rotwild klar eingegrenzte Reviere zu. Zieht der Hirsch über die für ihn unsichtbar gezogene Reviergrenze, muss der dort verantwortliche Jäger das Tier töten.

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