https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/franzoesische-kuenstler-solidarisieren-sich-mit-gelbwesten-16173712.html

Französische Künstler : Wir sind alle Gelbwesten

Demonstrant am Tag der Arbeit in Paris Bild: dpa

Die meisten Intellektuellen begegnen den Protesten der Gelbwesten mit Misstrauen. Doch es gibt auch Künstler, die sich mit der Bewegung solidarisieren und identifizieren – wie jetzt in einem großen Aufruf.

          2 Min.

          „Von den ersten Demonstrationen an verspürte ich eine große Sympathie für die Gelbwesten“, bekennt die Schriftstellerin Danièle Sallenave. Sie hat ihnen gerade ein kleines Buch gewidmet: „Jojo le gilet jaune“, es erscheint bei Gallimard. Die Autorin ist eine wichtige Stimme der französischen Literatur und Mitglied der „Académie Française“. An jedem Samstag wurde sie in ihrem Empfinden bestärkt, wenn sie im Fernsehen sah, „wie sie sich ungeschickt ausdrückten, und die Journalisten und Experten mit kaum verhohlener Arroganz reagierten“.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Danièle Sallenave hat die Demonstrationen nicht nur in den Medien verfolgt. Wer ihren Essay liest, steht mit ihr an einer blockierten Straßenkreuzung und erfährt, wie die „kleinen Leute“ leben, denken, fühlen. Sie selbst entstammt diesem Milieu, dem „Volk der Tagelöhner, der Arbeiter im Weinbau, der kleinen Handwerker, der Handlangerinnen in den Druckereien, deren Ziel es war, ihren Kindern als Bahnarbeiter, Beamte, Lehrer (meine Eltern) eine bessere Zukunft zu ermöglichen“. Ihnen droht aufs Neue der soziale Abstieg, und eindrücklicher noch als ihren Alltag beschreibt Danièle Sallenave ihre Angst vor der Armut.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Russische Rekruten vor einem Rekrutierungsbüro in der Stadt Krasnodar

          Mobilmachung in Russland : „Unsere Kinder sind kein Dünger!“

          In den Regionen macht sich Unmut über die Massenmobilisierung breit. Im Gebiet Irkutsk wird auf einen Wehrkomissar geschossen, in Dagestan gibt es Proteste. Eine Viertelmillion Russen soll das Land schon verlassen haben.
          Droht dem Westen: Der russische Präsident Wladimir Putin am 21. September 2022

          Putins neue Drohungen : Szenarien für den nuklearen Ernstfall

          Putin hat schon früher mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Diesmal sagt er, er bluffe nicht. Washington hat dafür Szenarien ausgearbeitet und Moskau gewarnt.