https://www.faz.net/-gqz-9ov1u

Restitution adé : Leihgabe statt Rückgabe

  • Aktualisiert am

Große königliche Statuen des Königreichs Dahomey im Quai Branly Museum-Jacques Chirac – allein in dieser Sammlungen sollen sich rund 70.000 Artefakte aus Subsahara-Afrika befinden Bild: EPA

Noch vor einem Jahr bezeichnete Macron den Verbleib afrikanischen Kulturerbes in Frankreich als „inakzeptabel“. Diese Haltung scheint sich geändert zu haben: Statt von Rückgaben ist nun von Leihgaben die Rede.

          Die französische Regierung hat ihre Haltung zur Rückgabe afrikanischer Kulturgüter offenbar revidiert. Bei einem Symposion in Paris rief der französische Kultusminister Franck Riester dazu auf, den Austausch zwischen Europa und Afrika nicht allein auf Restitutionen zu beschränken. Stattdessen müsse man über längerfristige Leihgaben und Wanderausstellungen nachdenken, sagte Riester.

          Man dürfe den Museen in Frankreich nicht vorwerfen, dass sie die ganze Welt in ihrer Vielfalt abbildeten: „Sie sind die Botschafter des Universellen.“ Vor der Tagung hatte Riester in einem Interview erklärt, die Unveräußerlichkeit der Museumssammlungen bleibe im Prinzip bestehen, auch wenn es davon Ausnahmen gebe.

          Die Tagung in der Académie française, an der etwa zweihundert Ethnologen, Historiker und Kunsthistoriker teilnahmen, fand anstelle einer zunächst für April angesetzten und später abgesagten Konferenz statt, auf der Konsequenzen aus den Empfehlungen der französischen Historikerin Bénédicte Savoy und des senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr erörtert werden sollten.

          Studie empfiehlt Rückgabe der Artefakte

          Die beiden Autoren hatten in einer von dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron beauftragten und im November veröffentlichten Studie die automatische Rückgabe aller kulturellen Artefakte aus Afrika in den Museen Europas empfohlen, deren rechtmäßiger Erwerb in den Jahrhunderten des europäischen Kolonialismus nicht zweifelsfrei geklärt werden könne.

          Macron selbst hatte ein Jahr zuvor in einer Rede in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, den Verbleib eines großen Teils des afrikanischen Kulturerbes in Frankreich als inakzeptabel bezeichnet. Binnen fünf Jahren sollten deshalb Voraussetzungen für die zeitweilige oder dauerhafte Rückführung von Objekten in ihre Herkunftsländer geschaffen werden.

          Weitere Themen

          Wettstreit der Romantiker

          Ausstellungen in Paris : Wettstreit der Romantiker

          Victor Hugo, Notre-Dame und die Folgen: Zwei Pariser Ausstellungen im Petit Palais beschäftigen sich mit einer Zeit, die ihre Liebe für „ihr“ Retro entdeckte und auch vielfältig auslebte.

          Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

          Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

          Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.