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Frankreich : Persilschein für den Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Es ist das erste Mal seit langem, dass dieses Trio wieder zusammenspielt: Frankreichs prominenteste Intellektuelle Pascal Bruckner, André Glucksmann und Bernard-Henri Lévy suchen die Nähe Sarkozys. Und geben sich mit ziemlich wenig zufrieden.

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          Bevor er nach China flog, bekam Nicolas Sarkozy Besuch. Er empfing Pascal Bruckner, André Glucksmann, Bernard-Henri Lévy, die Intellektuellen, die ihren Maoismus durch den Antitotalitarismus ersetzten und seit drei Jahrzehnten den Ton angeben. Gekommen waren sie, um Sarkozy zu bestärken, „in China die Stimme Frankreichs“ zu erheben. Man hoffte, die Stimme möge „stark genug“ sein, um zu verhindern, dass in Burma die Junta weiterhin das Volk terrorisiert.

          Es ist das erste Mal seit langem, dass das Trio Glucksmann-Bruckner-Lévy wieder zusammenspielt. Sein bester Kamerad, der sozialistische Menschenrechtsdoktor Kouchner, ist jetzt Außenminister. Seltsamerweise blieb das Treffen der PR-Genies der Öffentlichkeit verborgen. Um der Welt gleichwohl von ihrem einflussreichen Tun zu berichten, schrieben die Besucher Sarkozy in „Libération“ einen offenen Brief - nachdem dieser mit Milliardenaufträgen heimgekehrt war. Mutig hatte er den Chinesen gesagt, sie sollten ein bisschen rücksichtsvoller mit der Umwelt umgehen.

          Kein Thema

          Menschenrechte? Taiwan, Tibet? Waren kein Thema. Im Gegensatz zu Angela Merkel weigert sich Sarkozy, den Dalai Lama zu empfangen. Für seinen Imageschaden kommen die „Neuen Philosophen“ des Antitotalitarismus auf. „Sie haben Wort gehalten“, schreiben sie zweimal in ihrem offenen Brief, und gemacht, was Frankreich in dieser „Situation der internationalen Ohnmacht allein machen kann“. Ja, der Präsident hat gemacht, was ihm Glucksmann-Lévy-Bruckner empfohlen haben: Eine parlamentarische Kommission soll untersuchen, warum der Ölkonzern Total dem Staat Burma jedes Jahr 350 Millionen Euro bezahlt. „Es wäre unakzeptierbar, wenn eines unserer großen Unternehmen akzeptieren sollte, dass ein Teil dieser Summe an Folterer, Mörder und Diebe ausbezahlt würde.“

          Um ihrem Persilschein für den Präsidenten doch noch so etwas wie eine Vision zu vermitteln, fordern sie ihn zu einem Rendezvous in Rangun auf. „Ihr Flugzeug hat den Weg nach Tripolis und N'Djamena gefunden“, wo Sarkozy die bulgarischen Krankenschwestern befreite und die französischen Kindesentführer einer humanitären Organisation herausholte, als sei Tschad noch immer seine Kolonie. Kurs auf Burma: In der Botschaft, „auf diesem kleinen Flecken Frankreich, aber unter den Augen der Weltöffentlichkeit“, solle er Aung San Suu Kyi empfangen. Das antitotalitäre Trio wäre sicher bereit, ihn dabei lautstark zu begleiten.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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